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Geschäftskonto wechseln 2026: Anleitung in 7 Schritten

Kevin Pflock

analysiert seit 11 Jahren Geschäftskonten

Stand:

5. Juni 2026

Anleitung aktuell
Du kannst dein Geschäftskonto wechseln, ohne dass Zahlungen verloren gehen. Eröffne das neue Konto per Videoident und lass beide Konten parallel laufen. Stelle dann Daueraufträge und Lastschriften um und teile die neue IBAN an Kunden, Lieferanten und das Finanzamt mit. Das alte Konto kündigst du ganz zuletzt. Plane für den Wechsel zwei bis sechs Wochen ein.

Am Ende dieser Anleitung weißt du, wie du das neue Konto eröffnest, alle Daueraufträge und Lastschriften umstellst und das alte Konto sicher kündigst.

Die Vorbereitung

Ein Kontowechsel ist weniger Aufwand, als die meisten denken, wenn du vorher ein paar Unterlagen zusammenlegst. Das hältst du am besten bereit:

  • einen Ausweis für die Prüfung per Videoident,
  • deine Gewerbeanmeldung oder den Handelsregisterauszug,
  • bei einer GmbH oder UG den Gesellschaftsvertrag,
  • eine Liste aller Daueraufträge,
  • eine Liste aller Lastschriften samt Empfänger,
  • deine wichtigsten Geschäftspartner mit Kontaktdaten.

Nimm dir die Kontoauszüge der letzten Monate vor und markiere jede regelmäßige Zahlung. Auf diese Liste greifst du später bei fast jedem Schritt zurück, also mach sie gründlich. Rechne mit etwa einem halben Tag.

Schritt 1: Neues Geschäftskonto eröffnen und testen

Eröffne das neue Konto, bevor du am alten irgendwas anfasst. Das läuft heute fast überall online: Antrag ausfüllen, Identität per Videoident bestätigen, überwiegend in wenigen Minuten. Bis zur Freischaltung dauert es dann oft ein bis drei Werktage. Plan den Puffer ruhig ein.

Lass beide Konten unbedingt eine Weile parallel weiterlaufen. Geht doch noch eine Zahlung aufs alte Konto, merkst du es sofort und kannst reagieren.

Teste das neue Konto in Ruhe. Richte eine Überweisung ein, klick dich durch die App und prüfe, ob die Schnittstelle zur Buchhaltung wirklich funktioniert. Schick dir testweise eine kleine Summe zurück, dann siehst du, wie schnell das Geld ankommt. Erst wenn alles sitzt, machst du weiter.

Schritt 2: Guthaben und Zahlungsverkehr prüfen

Jetzt verschaffst du dir einen Überblick über deine Zahlungen. Das Guthaben lässt du erst mal auf dem alten Konto liegen, davon laufen schließlich noch die Lastschriften.

Geh die Auszüge Posten für Posten durch und sortier sie in zwei Gruppen:

  • Zahlungen, die du selbst auslöst, etwa Miete oder Gehälter per Dauerauftrag,
  • Zahlungen, die andere bei dir einziehen, etwa Versicherungen oder Software per Lastschrift.

Diese Unterscheidung ist der Knackpunkt: Daueraufträge stellst du selbst um, bei den Lastschriften musst du andere informieren. Schreib dir zu jedem Posten Betrag und Empfänger auf und leg alte wie neue IBAN bereit.

Schritt 3: Daueraufträge und Lastschriften umstellen

Daueraufträge legst du im neuen Konto komplett neu an, die alte Bank überträgt sie nicht von selbst. Also: Liste aus Schritt 2 nehmen, jeden Auftrag neu einrichten, danach im alten Konto löschen.

Bei Lastschriften ist es genau umgekehrt. Da holt sich jemand anderes das Geld, etwa dein Stromanbieter, und der benötigt deine neue IBAN plus ein neues SEPA-Mandat. Fehlt ihm die Info, bucht er weiter vom alten Konto ab. So gehst du vor:

  • Erstelle eine Liste aller Lastschrift-Empfänger.
  • Schick jedem deine neue Bankverbindung.
  • Notier, wann die Umstellung bestätigt wurde.

Eine Lastschrift lässt du am alten Konto erst dann auslaufen, wenn sie am neuen ankommt. Sonst platzt eine Abbuchung, und besonders bei Versicherungen und Lieferanten kann das ärgerlich werden.

Schritt 4: Geschäftspartner und Kunden informieren

Deine Kunden und Partner müssen wissen, wohin sie künftig überweisen, sonst landet ihr Geld weiter auf dem alten Konto. Geh aktiv auf sie zu und denk an alle Stellen, an denen deine IBAN steht:

  • Rechnungen und Angebote,
  • Website und Online-Shop,
  • Impressum,
  • E-Mail-Signaturen,
  • Verträge mit Stammkunden.

Für die meisten reicht ein kurzes, formloses Schreiben mit dem Stichtag, ab dem die neue IBAN gilt. Bitte deine Kunden, die Daten gleich in ihrer Buchhaltung zu ändern. Bei wichtigen Lieferanten ruf lieber kurz an. Je sorgfältiger du hier bist, desto weniger Zahlungen verlaufen sich später.

Denk bei Angestellten an die Lohnabrechnung, sonst kommen die Gehälter weiter vom alten Konto. Und verkaufst du über Amazon, Etsy und Co., gehört die neue IBAN natürlich auch dort hinterlegt.

Schritt 5: Finanzamt und Behörden informieren

Das Finanzamt vergisst man leicht, und genau das wird teuer. Bucht das Amt Steuern per Lastschrift ab, braucht es deine neue Bankverbindung, sonst platzt die Abbuchung und die erste Mahnung ist nicht weit. Reich ihm also ein neues SEPA-Mandat ein, größtenteils geht das direkt über dein Online-Finanzamt.

Dasselbe gilt für andere Stellen mit regelmäßigem Einzug:

  • die Krankenkasse,
  • die Berufsgenossenschaft,
  • die IHK oder Handwerkskammer,
  • Leasinggeber für Auto oder Technik.

Geh in Gedanken durch, wo du überall eine Einzugsermächtigung erteilt hast, denn diese Konten ändert dir niemand. Eine kurze Liste aller Lastschrift-Stellen hilft, keine zu übersehen.

Schritt 6: Buchhaltung und Tools aktualisieren

Auch in deinen Tools muss die neue Verbindung stehen, sonst passt am Monatsende die Buchhaltung nicht. Trag die neue IBAN überall dort ein, wo Geld fließt:

  • Buchhaltung, etwa DATEV, Lexoffice oder sevdesk,
  • Zahlungsdienste wie PayPal, Stripe oder Klarna,
  • Kassensystem und Online-Shop,
  • Abos für Software und Tools.

Wenn dein Anbieter es erlaubt, verbinde das Konto direkt mit der Buchhaltung, dann landen die Umsätze automatisch im System. Kontrolliere danach rund eine Woche, ob auch wirklich alles ankommt.

Ziehst du selbst per Lastschrift bei Kunden ein, schau auf deine Gläubiger-Identifikationsnummer. Die bleibt gleich, nur das Konto wechselt, aber trag die Änderung trotzdem in deinem Lastschrift-Programm nach.

Schritt 7: Altes Konto kündigen (erst nach der Parallelphase)

Ganz zum Schluss kündigst du das alte Konto, aber bitte nicht zu früh. Warte, bis dort seit einigen Wochen nichts mehr eingeht. Einen Anspruch auf Weiterleitung hast du nämlich nicht: Kommt nach der Kündigung noch Geld an, darf die Bank es einfach zurückschicken. Deshalb die Parallelphase.

So gehst du bei der Kündigung vor:

  • Alle Kontoauszüge als PDF sichern.
  • Restguthaben aufs neue Konto überweisen.
  • Schriftlich kündigen, mit klarem Datum.
  • Bestätigung der Kündigung kommen lassen.

Wirf vorher einen Blick in den Vertrag, welche Frist gilt. Viele Geschäftskonten kannst du jederzeit kündigen, manche Banken wollen ein paar Wochen Vorlauf. Die alten Auszüge hebst du auf jeden Fall auf: Für Buchhaltung und Finanzamt gilt eine Aufbewahrungspflicht von mehreren Jahren.

Was sich 2026 geändert hat

Der Wechsel ist 2026 einfacher als noch vor wenigen Jahren. Die meisten Konten eröffnest du komplett online. Deine Identität bestätigst du per Videoident in wenigen Minuten.

Seit 2025 setzen viele Anbieter auf eine enge Anbindung an die Buchhaltung. Konten von Qonto, Finom oder FYRST verbinden sich direkt mit DATEV, Lexoffice oder sevdesk. Das spart dir nach dem Wechsel viel Tipparbeit.

Auch die Auswahl ist größer geworden. Neben Filialbanken drängen immer mehr Fintechs auf den Markt. Viele bieten ein Konto ab 0 Euro Grundgebühr. Für Gründer heißt das: Ein Vergleich lohnt sich heute mehr denn je. Die Schritte beim Wechsel selbst sind aber gleich geblieben.

Wann sich der Wechsel lohnt

Nicht jeder Wechsel lohnt sich. Doch es gibt klare Gründe, bei denen sich der Aufwand schnell auszahlt. Hier sind die häufigsten:

  • Zu hohe Gebühren: Manche Filialbanken nehmen weiter eine hohe Grundgebühr. Bis zu 480 Euro Unterschied im Jahr sind drin, allein bei der Grundgebühr.
  • Fehlende digitale Features: keine gute App, keine Schnittstelle zur Buchhaltung, keine virtuellen Karten.
  • Schlechter Service: Lange Wartezeiten kosten dich Zeit und Nerven.
  • Falsche Rechtsform: Dein Konto passt nicht mehr zu deiner GmbH oder UG.
  • Dein Unternehmen wächst: Du benötigst Unterkonten, mehr Karten oder einen höheren Rahmen.

Schon ein einziger Punkt kann ein Konto teuer oder unpraktisch machen. Rechne deine aktuellen Kontoführungsgebühren einmal für ein ganzes Jahr zusammen. Oft ist die Ersparnis größer als gedacht. Genau dann solltest du dein Geschäftskonto wechseln.

Auch der Zeitpunkt zählt. Ein ruhiger Monat mit wenigen Buchungen erleichtert den Wechsel. Viele Gründer nutzen dafür den Jahreswechsel oder den Start in ein neues Quartal.

Das richtige Geschäftskonto finden

Bevor du wechselst, muss das neue Konto wirklich besser sein. Drei Punkte helfen dir bei der Wahl.

Erstens die Rechtsform. Nicht jedes Konto ist für jede Rechtsform offen. Einige Fintechs nehmen keine GmbH in Gründung. Prüfe das vor dem Antrag.

Zweitens der Bargeldbedarf. benötigst du oft Bargeld und eine Filiale, ist eine Filialbank meist die bessere Wahl. Eine Direktbank liegt preislich oft dazwischen. Wer rein digital arbeitet, fährt mit einem Fintech überwiegend am günstigsten. Zu den bekannten Anbietern zählen etwa Qonto, Finom, Kontist, Holvi, N26 oder FYRST.

Drittens die Tools. Achte auf eine Schnittstelle zu DATEV, Lexoffice oder sevdesk. Diese Anbindung spart dir jeden Monat Stunden.

Vergleiche dann die Kosten ehrlich. Wichtig ist nicht nur die Grundgebühr, sondern auch:

  • die Kosten pro Buchung, oft zwischen 0 und 0,30 Euro,
  • den Preis für Karten und Bargeld,
  • Gebühren für Unterkonten und Buchungspakete.

Zähle einmal deine Buchungen pro Monat. So erkennst du schnell, welches Modell am günstigsten ist. Erst wenn das neue Firmenkonto klar gewinnt, lohnt sich der Aufwand.

Kontowechselhilfe

Viele kennen die gesetzliche Kontowechselhilfe vom privaten Girokonto. Sie steht im Zahlungskontengesetz, kurz ZKG. Bei einem Privatkonto muss die neue Bank die alte innerhalb von 2 Geschäftstagen kontaktieren. Die alte Bank liefert dann innerhalb von 5 Geschäftstagen die Daten der letzten 13 Monate. Diese Fristen zählen in Geschäftstage, nicht in Kalendertagen.

Für Geschäftskonten gilt diese Pflicht aber nicht. Das ZKG schützt nur Verbraucher, also private Konten. Überwiegend gewerblich genutzte Konten fallen nicht darunter. Als Gründer hast du also keinen gesetzlichen Anspruch auf diese Hilfe. Wer ein Geschäftskonto wechseln möchte, muss den Kontowechsel also selbst steuern.

Die gute Nachricht: Viele Banken bieten den Kontowechselservice trotzdem freiwillig an. Frag bei deiner neuen Bank einfach nach. Bietet sie den Service an, nimmt er dir viel Arbeit ab.

Verlass dich aber nicht allein darauf. Prüfe am Ende immer selbst, ob jeder Dauerauftrag und jede Lastschrift umgestellt ist. Die Verantwortung für einen sauberen Wechsel bleibt bei dir.

Häufige Fehler

Beim Geschäftskontowechseln passieren immer wieder dieselben Fehler. Die meisten sind leicht zu vermeiden. Diese fünf kosten am häufigsten Geld und Nerven:

  • Fehler 1: Das alte Konto zu früh kündigen. Geht danach noch eine Zahlung ein, ist sie schwer zu retten. Warte immer die Parallelphase ab.
  • Fehler 2: Lastschriften vergessen. Ein vergessener Einzug führt zu einer geplatzten Zahlung und zu Mahnkosten. Geh deine Liste komplett durch.
  • Fehler 3: Nur auf die Grundgebühr achten. Ein Konto für 0 Euro klingt gut. Wenn aber jede Buchung 0,30 Euro kostet und du 200 Buchungen im Monat hast, wird es schnell teuer.
  • Fehler 4: Das Finanzamt übersehen. Ohne neues SEPA-Mandat platzen deine Steuerzahlungen.
  • Fehler 5: Die Rechtsform nicht prüfen. Nicht jedes Konto ist für jede Rechtsform offen, sonst wird der Antrag abgelehnt.

Ein letzter Tipp: Führe eine einfache Checkliste. Hake jeden Empfänger ab, sobald er umgestellt ist. So behältst du den Überblick und vergisst nichts.

Häufig gestellte Fragen

Müssen Banken eine Kontowechselhilfe für Geschäftskonten anbieten?

Nein. Die gesetzliche Kontenwechselhilfe nach dem Zahlungskontengesetz gilt nur für private Girokonten. Geschäftskonten fallen nicht darunter. Viele Banken bieten den Kontowechselservice für Firmen aber freiwillig an. Frag bei deiner neuen Bank nach. Die Verantwortung für die Umstellung bleibt am Ende trotzdem bei dir.

Wie lange dauert es, ein Geschäftskonto zu wechseln?

Plane zwei bis sechs Wochen ein. Die reine Kontoeröffnung dauert oft nur 1 bis 3 Werktage. Mehr Zeit benötigen die Parallelphase und das Umstellen von Daueraufträgen und Lastschriften. Wer gut vorbereitet ist und früh alle Partner informiert, ist meist am schnellsten fertig.

Was passiert mit Zahlungen, die nach der Kündigung eingehen?

Das ist riskant. Auf eine Weiterleitung hast du keinen Rechtsanspruch. Manche Banken buchen das Geld noch eine Weile weiter, andere schicken es zurück. Darum solltest du das alte Konto erst kündigen, wenn seit Wochen keine Zahlung mehr eingeht.

Wen muss ich über die neue Bankverbindung informieren?

Alle, die regelmäßig zahlen oder Geld einziehen. Dazu zählen Kunden, Lieferanten, Versicherungen, das Finanzamt und Zahlungsdienste wie PayPal. Ändere die IBAN außerdem auf Rechnungen, im Impressum und auf deiner Website. Eine Liste aus der Vorbereitung hilft dir dabei sehr.

Hat ein Geschäftskonto-Wechsel Auswirkungen auf die Schufa?

In der Regel nicht. Das Eröffnen und Schließen eines Kontos schadet deiner Bonität normalerweise nicht. Beantragst du zusätzlich einen Kredit für dein Konto, prüft die Bank deine Schufa. Das ist eine normale Bonitätsprüfung und kein Nachteil für dein Unternehmen.

Kann ich mein altes Geschäftskonto per E-Mail kündigen?

Das hängt von der Bank ab. Die einfache Kündigung per E-Mail ist gesetzlich nur für private Verträge nach dem 30. September 2016 garantiert. Bei Geschäftskonten kommt es auf den Vertrag an. Im Zweifel kündigst du schriftlich und lässt dir die Kündigung bestätigen.

Fazit

Ein Geschäftskonto wechseln ist kein Hexenwerk, wenn du der Reihe nach vorgehst. Der wichtigste Trick ist die Parallelphase. Solange beide Konten laufen, kann nichts verloren gehen.

Merke dir die Reihenfolge: erst das neue Konto eröffnen und testen, dann Daueraufträge und Lastschriften umstellen, danach Partner und Finanzamt informieren. Das alte Konto kündigst du immer zuletzt.

Verlass dich nicht auf die gesetzliche Kontenwechselhilfe, denn für Geschäftskonten gilt sie nicht. Deine eigene Checkliste ist darum dein bester Helfer.

Nimm dir die zwei bis sechs Wochen Zeit und arbeite jeden Schritt sauber ab. Dann sparst du bares Geld und nutzt ein Konto, das wirklich zu deinem Unternehmen passt.

Kevin Pflock

Über den Autor

Kevin Pflock

Kevin Pflock ist Gründer und Chefredakteur bei Junge Gründer und spezialisiert auf Geschäftskonten, FinTechs und digitale Finanzlösungen für Selbstständige und Unternehmen.

Seit 2011 analysiert und vergleicht er regelmäßig Anbieter von Firmenkonten, Firmentagesgeldlösungen und Geschäftskreditkarten.

Mit über 100 veröffentlichten Fachartikeln hat er sich in der deutschsprachigen Finanz- und Gründerlandschaft einen Namen gemacht. Seine Recherchen stützen sich auf eigene Tests, regelmäßige Marktanalysen und Gespräche mit Finanzverantwortlichen aus KMU und Startups.

Weitere Fachbeiträge von Kevin findest du auf seiner Autorenseite oder auf LinkedIn.