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So gründest du 2018 eine OHG (Gründung, Steuern, Haftung)

Die offene Handelsgesellschaft, kurz OHG, ist eine Personenhandelsgesellschaft und wird von mindestens zwei Gesellschaftern eines Handelsgewerbes gegründet.

Wir zeigen dir, wann du eine OHG als Rechtsform in Betracht ziehen solltest und was du zur Gründung, den Steuern und zur Haftung wissen solltest.

Was ist eine OHG?

Die Abkürzung OHG steht für „offene Handelsgesellschaft“ und macht deutlich, dass diese Rechtsform vor allem dann interessant für dich ist, wenn du ein Handelsunternehmen gründen möchtest.

Die Gesellschaftsform setzt sich aus mindestens zwei Gesellschaftern zusammen. Hierbei handelt es sich in der Regel um Kaufleute, die sich für ein gemeinsames Projekt zusammenschließen. Neben natürlichen Personen können allerdings auch juristische Personen als Gesellschafter einsteigen.

Interessant ist, dass die OHG in den letzten Jahren immer mehr in Vergessenheit geraten ist und mehr und mehr von anderen Rechtsformen verdrängt wird.

Das liegt in erster Linie an der uneingeschränkten Haftung, die für dich gilt, wenn du eine OHG gründest. Vor diesem Hintergrund erscheint für viele Gründer (auch und vor allem im Bereich Handel) die Gründung einer UG (haftungsbeschränkt) oder GmbH reizvoller.

Dennoch kann nicht gesagt werden, dass die OHG in den nächsten Jahren völlig von der Bildfläche verschwinden wird. Als Weiterentwicklung der GbR ist sie vor allem dann wichtig, wenn du zusammen mit einem Partner ein Handelsunternehmen gründen möchtest. Doch dazu im nächsten Absatz mehr.

Hilfreiches Wissen zur offenen Handelsgesellschaft bietet auch folgendes Video, das wir dir empfehlen anzuschauen:

Wie gründet man eine OHG?

Wer sich für die Rechtsform OHG entscheidet, der darf sich auf folgenden Gründungsprozess einstellen:

  1. Prüfe, ob du alle grundlegenden Voraussetzungen erfüllst
  2. Setze einen Gesellschaftsvertrag auf
  3. Lasse deine OHG ins Handelsregister eintragen
  4. Melde dein Gewerbe beim Gewerbeamt an
  5. Kontaktiere das Finanzamt

Wie die Einzelschritte im Detail aussehen, haben wir dir nachfolgend nochmal zusammengetragen.

Schritt 1: Prüfe, ob du alle grundlegenden Voraussetzungen erfüllst

Es wurde bereits erwähnt: Eine OHG darf nur von sogenannten Vollkaufleuten gegründet werden, das heißt: Es muss ein kaufmännischer Geschäftsbetrieb herrschen.

Was das im Detail bedeutet, hat die IHK Berlin hier sehr gut und übersichtlich zusammengefasst.

Schritt 2: Setze einen Gesellschaftsvertrag auf

Wenn du dich mit den anderen Gesellschaftern zusammen setzt, um einen gemeinsamen Vertrag aufzusetzen, dann müsst ihr euch grundsätzlich an keine bestimmte Form halten.

In dem Dokument darf alles geklärt werden, was ihr für wichtig erachtet, also beispielsweise:

  • Wer sind die Gesellschafter?
  • Welches Stammkapital wird freiwillig von jedem eingezahlt?
  • Welchen Namen soll die OHG tragen?
  • Welcher Geschäftsinhalt liegt zugrunde?
  • Wer wird als Geschäftsführer eingesetzt?

Hier findest du einen Mustervertrag zur Gründung einer OHG – bereitgestellt von der IHK Regensburg.

Wichtig zu wissen: Der Gesellschaftsvertrag für die OHG-Gründung muss nicht notariell beglaubigt werden; es sei denn, es werden Grundstücke als Sachleistung eingebracht.

Schritt 3: Lasse deine OHG ins Handelsregister eintragen

Dieser Schritt ist obligatorisch – du kommst also nicht drum herum.

Bedenke außerdem, dass der Eintrag erst dann gültig ist, wenn du die Kosten für die Eintragung gezahlt hast. Für einen Eintrag ins örtliche Handelsregister werden meist um die 150 Euro fällig.

Eine OHG wird übrigens grundsätzlich in Abteilung A des Handelsregisters eingetragen.

Schritt 4: Melde dein Gewerbe beim Gewerbeamt an

Die Anmeldung von deiner offenen Handelsgesellschaft beim Gewerbeamt erfolgt, indem du (zusammen mit den anderen Gesellschaftern) einen Gewerbeschein ausfüllst.

Auch hier werden wieder Kosten fällig. Die Höhe hängt vom Ort ab, an dem du dein Unternehmen gründest. Meist werden zwischen 25 und 35 Euro fällig – du musst also keine riesigen Ausgaben befürchten.

Info: Immer mehr Gewerbeämter bieten eine Online-Anmeldung an. Alternativ kannst du den Gewerbeschein auch online herunterladen, ausfüllen und dann auf postalischem Weg an das zuständige Gewerbeamt schicken.

Schritt 5: Kontaktiere das Finanzamt

Im letzten Schritt musst du noch das Finanzamt kontaktieren und um eine Steuernummer bitten.

Schon kurze Zeit darauf wird man dir einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zusenden. Hast du diesen ausgefüllt und zurück geschickt, erhälst du innerhalb weniger Wochen deine Steuernummer.

Deine OHG ist dann sofort geschäftsfähig.

Welche Vor- und Nachteile hat eine OHG?

Warum sollte man eine OHG gründen? Oder: Was spricht dagegen?

Wenn du dir noch immer nicht ganz sicher bist, welche Rechtsform die richtige für dein Business ist, dann helfen dir vielleicht die nachfolgenden Vor- und Nachteile der OHG, um deine Entscheidung zu treffen.

Vorteile einer OHG

  • kein Mindestkapital vorgeschrieben
  • vergleichsweise unkomplizierte und günstige Gründung
  • alle Gesellschafter sind gleichberechtigt
  • freie Wahl bei der Benennung
  • gute Kreditwürdigkeit

Nachteile einer OHG

  • alle Gesellschafter haften mit ihrem Privatvermögen (zu gleichen Anteilen)
  • nur für Vollkaufleute geeignet
  • Haftungspflicht gilt bis zu fünf Jahre nach Ausscheiden
  • anfällig für Streitereien unter den Gesellschaftern

Steuern einer OHG

Als Gesellschafter musst du dich auf folgende Steuern einstellen:

  • Einkommenssteuer beziehungsweise Körperschaftssteuer, falls einer der Gesellschafter eine juristische Person ist
  • Gewerbesteuer
  • Umsatzsteuer
  • eventuell Lohnsteuer

Welches Geschäftskonto eignet sich für eine OHG?

Bei der Suche nach einem Geschäftskonto für eine OHG kann man leicht den Überblick verlieren.

Nachfolgende Tabelle hilft dir, die einzelnen Angebote der Banken besser einschätzen zu können. Weitere Informationen zum Thema findest du in unserem Geschäftskonto Vergleich.

Häufig gestellte Fragen zur OHG

Wie jede Rechtsform wirft natürlich auch die OHG jede Menge Fragen auf.

Nachfolgend findest du die, die jungen Gründern besonders häufig unter den Nägeln brennen.

Wann ist es sinnvoll, eine OHG zu gründen?

Wie sinnvoll oder weniger sinnvoll die Gründung einer offenen Handelsgesellschaft ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Fakt ist auf jeden Fall: Diese Rechtsform spricht nur eine kleine Gruppe von Gründern an: Diejenigen, die in den Handel einsteigen wollen und einer kaufmännischen Tätigkeit nachgehen. Und noch weiter: Du musst ein/e sogenannte/r Vollkaufmann/-frau sein, um eine OHG zu gründen. Was genau das bedeutet, soll weiter unten im Beitrag erklärt werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, auf den an dieser Stelle unbedingt hingewiesen werden muss, ist die Haftung. Im Falle er offenen Handelsgesellschaft bist du verpflichtet, auch mit deinem privaten Vermögen zu haften. Diese Rechtsform ist also in erster Linie dann sinnvoll, wenn deine Geschäftsidee mit wenig Risiko verbunden ist oder du genügend Rücklagen hast, um im Fall des Scheiters reagieren zu können.

Da die Gesellschafter immer gleichberechtigte Partner sind, haben sie auch alle die gleichen Rechte und Pflichten. Das ist grundsätzlich ein positiver Aspekt, doch setzt er auch voraus, dass du deinen Geschäftspartnern zu 100 Prozent vertrauen kannst. Ist dies nicht der Fall, solltet ihr die Gründung der OHG noch einmal überdenken.

Ist eine OHG eine Personen- oder eine Kapitalgesellschaft?

Die OHG ist eine Personengesellschaft. Sie wird manchmal auch als Personenhandelsgesellschaft bezeichnet.

Was ist beim Namen der OHG zu beachten?

Wenn du dich für die Gründung einer OHG entschieden hast und auf der Suche nach einem geeigneten Namen für dein Unternehmen bist, dann kannst du dich auf einige Freiheiten, aber auch Einschränkungen einstellen.

Wenn es um die Benennung einer OHG geht, musst du folgendes wissen:

  • Fantasienamen sind erlaubt
  • die Namen der Gesellschafter als Firmenname sind möglich
  • der Firmenname darf nicht irreführend sein
  • die Abkürzung „OHG“ im Firmennamen ist zwingend erforderlich
  • eine Verwechslungsgefahr muss ausgeschlossen werden

Wie viele Gesellschafter darf eine OHG haben?

Die OHG ist ein Zusammenschluss aus mindestens zwei Gesellschaftern. Hierbei darf es sich sowohl um natürliche als auch juristische Personen handeln.

Nach oben gibt es rein theoretisch keine Grenzen. Du solltest dir jedoch im Klaren darüber sein, dass das Konfliktpotential mit jedem weiteren Gesellschafter steigt.

Was ist der Unterschied zwischen OHG und GbR?

Die Offene Handelsgesellschaft und die Gesellschaft bürgerlichen Rechts werden häufig im gleichen Atemzug genannt. Es liegt also der Verdacht nahe, dass diese beiden Rechtsformen miteinander „verwandt“ sind.

In der Tat gibt es diverse Parallelen zwischen OHG und GbR – aber auch einen entscheidenden Unterschied.

Eine GbR wird meist gegründet, wenn sich zwei Partner zusammenschließen, um gemeinsam eine Geschäftsidee zu realisieren. Es handelt sich hierbei um die ursprünglichste Form einer Personengesellschaft, die verhältnismäßig einfach gegründet werden kann.

Ganz ähnlich verhält es sich auch bei der OHG. Doch hier liegt der Fokus der Geschäftsidee ganz eindeutig auf dem Handel – beziehungsweise dem kaufmännischen Geschäftsbetrieb.

Die OHG wird auch gern als Weiterentwicklung der GbR bezeichnet.

Wie ist die Gewinnverteilung bei einer OHG?

Sofern es nicht anders im Gesellschaftsvertrag vereinbart ist, haben alle Gesellschafter einen gleich großen Anspruch auf den Gewinn. Die Verteilung ist also nicht beispielsweise abhängig von Firmenanteilen und Positionen innerhalb des Unternehmens.

Wann entsteht eine OHG im Außenverhältnis?

Die sogenannte OHG im Außenverhältnis existiert ab der Eintragung ins Handelsregister. Ab dann gilt für dein Unternehmen auch das Handelsrecht.

Unterliegt eine OHG der Publizitätspflicht?

Offene Handelsgesellschaften sind nicht dazu verpflichtet, ihre Jahresabschlüssen offen zu legen.

Die Ausnahme sind OHGs, die einen überdurchschnittlich hohen Jahresumsatz (im oberen Millionenbereich) erwirtschaftet haben.

Wer haftet im Schadensfall?

Falls es zu Komplikationen kommt, haften alle Gesellschafter der OHG – und zwar nicht nur mit ihrem geschäftlichen, sondern auch mit dem privaten Vermögen.

Kann eine OHG auch die Kleinunternehmerregelung nutzen?

Ab wann ein Unternehmen als Kleinunternehmen gilt, entscheidet einzig und allein die Höhe des Umsatzes- und nicht etwa die Rechtsform.

Es ist also durchaus möglich, mit dieser Rechtsform von der Kleinunternehmerregelung zu profitieren.

Können Geschäftsführer auch einzeln Entscheidungen treffen und handeln?

Die OHG unterliegt dem Prinzip der Einzelgeschäftsführung.

Das bedeutet, dass jeder Geschäftsführer alleine handeln kann. Auf diese Weise ergibt sich eine hohe Flexibilität, die allerdings nur dann von Vorteil ist, wenn sich alle Gesellschafter vertrauen.

Ist jeder Gesellschafter einer OHG automatisch auch Geschäftsführer?

Die offene Handelsgesellschaft sieht hier keine feste Regelung vor. Welcher Gesellschafter auch Geschäftsführer wird, kann individuell im Gesellschaftsvertrag festgelegt werden.

Wie kann ich eine OHG auflösen?

Wie bei jeder Rechtsform gibt es natürlich auch bei der OHG die Möglichkeit, das Unternehmen wieder aufzulösen. Doch auch hier musst du einige Dinge beachten, die nachfolgend erklärt werden sollen.

Die Auflösung einer OHG unterteilt sich in drei Schritte:

  1. Auflösung durch Gesellschafterbeschluss oder gesetzlicher Auflösungsgrund: Die allgemeinen Auflösungsgründe findest du im §131 HGB. Wichtig ist, dass der Beschluss zur Auflösung von allen Gesellschaftern unterzeichnet und notariell beglaubigt beim Handelsregister eingereicht wird.
  2. Liquidation: Alle Gesellschafter werden nun zu Liquidatoren. In dieser Phase müsst ihr euch um diese Aufgaben kümmern:
    • abschließende Bilanz aufstellen
    • alle laufenden Geschäfte beenden
    • Schulden begleichen und Forderungen einziehen
    • restliches Vermögen umsetzen
    • Vermögen auf die Gesellschafter verteilen
  3. Vollbeendigung: Wurden alle Aufgaben der Liquidation erledigt und letzte offene Fragen geklärt, spricht man im Gesellschaftsrecht von einer Vollbeendigung. Die OHG ist nun vollständig aufgelöst.

Tipp: Einen detaillierten Einblick in den Prozess der Auflösung einer OHG bietet die IHK Weingarten auf ihrer Internetseite.

Zusammenfassung

Die OHG ist sicherlich nicht die typische Rechtsform, die von Gründern bevorzugt wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass du sie kategorisch ausschließen solltest, wenn du dich bisher nicht für eine Form entscheiden konntest.

Es stimmt, dass die offene Handelsgesellschaft nur eine kleine Gruppe von Gründern anspricht. Wenn du zu dieser gehörst, solltest du dir sicher sein, dass du dich zu 100 Prozent auf deine/n Geschäftspartner verlassen kannst und ihr definitiv die gleichen Ziele verfolgt.

Andernfalls kann es schnell passieren, dass euer Abenteuer Selbstständigkeit im Streit und somit letztlich im Fiasko endet.

Weiterführende Links

Hier findest du weitere Beiträge zu anderen Unternehmensformen:

Einzelunternehmen | GbR | GmbH | KG | OHG | UG (haftungsbeschränkt)


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