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Welche Versicherungen sind für Gründer wichtig?

In der Gründungsphase ist das Geld häufig knapp und der Beitrag für eine Absicherung belastet das Budget zusätzlich.

Aus diesem Grund verzichten viele Gründer auf wichtige Versicherungen, womit sie ein großes Risiko eingehen. Denn ein Schaden kann ohne entsprechenden Versicherungsschutz das Aus für das Unternehmen bedeuten.

Wir haben uns mit dem Thema auseinandergesetzt und die Risiken, mit denen Existenzgründer konfrontiert werden, genauer betrachtet. Dabei haben wir verschiedene Versicherungen nach ihrer Priorität unterteilt. So erhältst du einen ersten Überblick, was wirklich wichtig ist und worauf du vorerst verzichten kannst.

Must-have: Diese Versicherungen sind unverzichtbar

Die Must-haves unter den Versicherungen sind unerlässlich. Denn sie schützen im Schadensfall dich und die finanzielle Existenz deines Unternehmens. Oder auch, weil sie seitens des Gesetzgebers verpflichtend vorgeschrieben sind.

Plane für Versicherungen mindestens 220 Euro jährlich ein. Einen vernünftigen Schutz wirst du für jährlich etwa 1.100 Euro erhalten.

Die Krankenversicherung

Die Krankenversicherung gehört nicht nur zu den wichtigsten Versicherungen für Gründer, sie ist auch unverzichtbar.

Denn in Deutschland besteht Versicherungspflicht, von der sich auch Unternehmer nicht befreien lassen können. Allerdings können Selbstständige wählen, ob sie freiwillig Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sind oder eine private Krankenversicherung abschließen.

Welche Absicherung du wählst, hängt von deinen persönlichen Bedürfnissen ab. Sowohl die private als auch die gesetzliche Krankenversicherung bieten ihre Vor- und Nachteile:

 Private KrankenversicherungGesetzliche Krankenversicherung
BeitragBeitrag abhängig vom gewählten Tarif und persönlichen Faktoren wie dem Alter.Abhängig vom Einkommen. Mindestbeitrag für Geringverdiener und Höchstbeitrag für Gutverdiener.
LeistungenLeistungen lassen sich durch die Tarifwahl individuell festlegen. Häufig besserer Versicherungsschutz als bei der GKV.Gesetzlich vorgeschriebene Leistungen. Aufstocken und Verbessern des Versicherungsschutzes durch private Zusatzversicherungen möglich.
FamilieJedes Familienmitglied muss individuell versichert werden.Kostenlose Mitversicherung von Kindern und Ehegatten ohne Einkommen.
VorerkrankungenVersicherung darf Antragsteller ablehnen oder einen Risikozuschlag verlangen. Muss ihnen jedoch immer den Basistarif anbieten. Dessen Leistungen entsprechen der GKV.Vorerkrankungen wirken sich weder auf den Versicherungsschutz noch auf die Beitragshöhe aus

Die Entscheidung für eine Krankenversicherung ist von vielen Faktoren abhängig. In diesem umfangreichen Ratgeber zur Krankenversicherung sind alle Versicherungsmöglichkeiten sowie ihre Vor- und Nachteile ausführlich erklärt.

Was kostet die Krankenversicherung für Gründer?

Selbstständige können in der gesetzlichen Krankenversicherung zwischen dem ermäßigten und dem regulären Beitragssatz wählen.

Letzteres beinhaltet die Zahlung von Krankengeld, wenn die Versicherten länger als sechs Wochen krankgeschrieben sind. In diesem Fall beträgt der Beitrag 14,6 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen. Zuzüglich Zusatzbeitrag, der bei jeder Krankenkasse individuell erhoben wird und durchschnittlich bei 0,9 Prozent liegt. Verzichtest du auf Krankengeld, zahlst zu 14,0 Prozent sowie den Zusatzbeitrag. Hinzu kommt jeweils der Beitrag für die Pflegeversicherung.

2019 liegt die Beitragsbemessungsgrenze bei 4.537,50 Euro brutto im Monat. Dementsprechend zahlst du im Jahr 2019 maximal 646 Euro monatlich plus Zusatzbeitrag. Der Mindestbeitrag für freiwillig Versicherte beträgt 152,64 Euro ohne Krankengeldanspruch.

Der Beitrag für die private Krankenversicherung ist von vielen Faktoren abhängig. Daher lässt sich nicht pauschal sagen, was die PKV kostet. Wählst du den preiswerten Basistarif, zahlst du maximal den Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenkasse plus durchschnittlicher Zusatzbeitrag.

📌 2019 bedeutet das einen Monatsbeitrag von höchstens 703,32 Euro.

Betriebshaftpflicht oder Vermögensschadenhaftpflicht

Fehler lassen sich trotz sorgfältigem Vorgehen nicht immer vermeiden. Entstehen dabei Personen- oder Sachschäden, kann der Betroffene Haftungsansprüche gegen das Unternehmen geltend machen. Und diese können für ein Start-up den finanziellen Ruin bedeuten.

Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist unumstritten eine der wichtigsten Versicherungen für viele Gründer. Sie sichert den Unternehmer gegen Personen-, Sach- und Vermögensschäden ab. Außerdem wehrt die Gesellschaft unberechtigte Schadensersatzansprüche für ihren Versicherten ab. Die Betriebshaftpflicht ist vor allem für Personen notwendig, die aufgrund ihrer Tätigkeit ein hohes Schadensrisiko haben.

Für einige Berufsgruppen empfiehlt sich anstelle (oder zusätzlich) zur Betriebshaftpflicht eine Vermögensschadenhaftpflicht. Ein Vermögensschaden ist ein rein finanzieller Schaden. Beispielsweise, wenn ein Klient durch die Falschberatung eines Steuerberaters hohe finanzielle Einbußen erleidet. Für einige Berufsgruppen ist die Vermögensschadenhaftpflicht sogar gesetzlich vorgeschrieben. Dazu gehören Architekten, Notare, Steuerberater und Anwälte.

Die Vermögensschadenhaftpflicht empfiehlt sich für Gründer, die prüfend, beratend, begutachtend, verwaltend oder beurkundend tätig sind. Auch in der IT-Branche ist die Absicherung ratsam. Außerdem fordern viele Auftraggeber einen Nachweis über das Bestehen einer entsprechenden Absicherung.

Was kostet die Betriebshaftpflicht?

Die Kosten für eine Betriebshaftpflicht sind vom Versicherungsumfang und von den Eckdaten des Unternehmens abhängig. Dabei spielen sowohl die Betriebsgröße als auch die jährlichen Umsätze eine Rolle.

Um die Kosten zu senken, kannst du eine Selbstbeteiligung einschließen. Auch die Reduzierung der Versicherungssumme ist möglich. Um die passende Deckungssumme festzulegen, ist der größte anzunehmende Schaden zu berücksichtigen, der im eigenen Betrieb eintreten kann. Die optimale Versicherungssumme kann daher von 15.000 Euro bis hin zu 15 Millionen Euro reichen.

Zwei Beispiele:

Kosmetikerin mit einem Jahresumsatz von 40.000 Euro ohne Mitarbeiter und ohne risikobehaftete Behandlungen (bspw. Permanent Make-up)Malerbetrieb mit einem Jahresumsatz von 200.000 Euro und zwei Vollzeitangestellten, keine gefahrenerhöhenden Merkmale
Ab 65 Euro jährlich für eine Versicherungssumme von zwei Millionen Euro und 1.000 Euro SelbstbehaltAb 360 Euro im Jahr für eine Versicherungssumme von zwei Millionen und 1.000 Euro Selbstbehalt

Sinnvoll: Diese Versicherungen sind ratsam

Einige Versicherungen sind überaus sinnvoll und im Schadensfall bist du froh, wenn du sie abgeschlossen hast. Sollte es dein finanzielles Budget allerdings nicht zulassen, verzichte lieber auf diese Absicherung, anstatt an der Betriebshaftpflicht oder der Krankenversicherung zu sparen .

📌 Sinnvoll wären weitere 320 Euro in einen umfassenderen Versicherungsschutz im Jahr zu investiern.

Firmenrechtsschutz

Mit einem Firmenrechtsschutz bist du als Gründer auf der sicheren Seite. Denn Auseinandersetzungen mit Lieferanten, Kunden, Auftraggebern, Mitarbeitern oder gar dem Vermieter lassen sich nicht immer verhindern. Ein Rechtsstreit kann schnell ausarten und dich mehrere Tausend Euro kosten. Vor allem dann, wenn keine außergerichtliche Einigung möglich ist.

Eine Rechtsschutzversicherung schützt dich und dein Unternehmen auf rechtlicher Ebene. Sie übernimmt die Kosten für einen Anwalt, wenn es zu einem Rechtsstreit kommt. Viele Gesellschaften bieten weitere Leistungen, wie beispielsweise:

  • Eine kostenlose Erstberatung auch zu Anliegen, bei denen noch keine Streitigkeit besteht
  • Rund um die Uhr eine anwaltliche Beratung per Telefon
  • Versicherungsschutz im Ausland

Was kostet ein Firmenrechtsschutz?

Für den Beitrag eines Firmenrechtsschutzes sind die versicherten Bausteine, die Anzahl der Mitarbeiter, die Deckungssummen und die Selbstbeteiligung relevant. Wer beispielsweise als Berater tätig ist, kann sich bereits ab 20 Euro im Monat in einem Basistarif absichern. Für einen umfangreichen Schutz mit hohen Versicherungssummen ist mit einem deutlich höheren Beitrag zu rechnen.

Geschäftsinhaltsversicherung

In der Gründungsphase investiert ihr als junge Unternehmer viel Geld in den Betrieb. Dazu kann die die Ausstattung der Geschäftsräume gehören.

Nehmen wir also an, dass die Geschäftsräume den Mittelpunkt deines Unternehmens darstellen. Um diesen zu schützen, gibt es die Geschäftsinhaltsversicherung. Damit versicherst du dich gegen Schäden an deinem Inventar.

Mitversichert sind durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel sowie durch Einbruchdiebstahl entstandene Schäden. Möglich ist außerdem die Absicherung gegen Elementargefahren wie Erdbeben und Erdrutsch. Wie sieht das in deinem Coworking aus? Wer würde bei diesen Schäden aufkommen?

Die Geschäftsinhaltsversicherung ist nicht nur sinnvoll, um Arbeitsmittel wie Computer und Werkzeuge zu versichern. Sollte es infolge eines Kurzschlusses zu einem Feuer kommen und bereits produzierte Waren verbrennen, sind die finanziellen Einbußen immens.

Die Inhaltsversicherung ersetzt dem Gründer den entstandenen Schaden, weshalb sie für viele Startups als sehr wichtig erachtet wird. Wer allerdings im Homeoffice arbeitet oder kein hochwertiges Inventar besitzt, kann meist auf eine Geschäftsinhaltsversicherung verzichten.

Was kostet eine Inhaltsversicherung?

Bei einer Inhaltsversicherung ist die Versicherungssumme entscheidend. Du musst also zuerst herausfinden, wie hoch der Wiederbeschaffungswert deiner Materialien ist.

Dementsprechend zahlt ein Unternehmen, das nur aus einem Büro besteht, deutlich weniger als ein produzierender Betrieb mit teuren Anlagen. Durch die Installation einer Alarmanlage oder andere sichernde Vorkehrungsmaßnahmen lässt sich der Beitrag reduzieren.

Eine Inhaltsversicherung mit einer Versicherungssumme von 30.000 Euro inklusive Glasbruch ist ab 80 Euro im Jahr erhältlich.

Nice to Have: Diese Versicherungen können nicht schaden

Der Abschluss einer Versicherung ist immer eine finanzielle Belastung. Läuft das Unternehmen in der Anfangszeit nur mäßig an oder sind teure Investitionen notwendig, wird die Versicherungsprämie zur Belastung.

Ratsam sind folgende Versicherungen, wenn deine finanziellen Mittel eine umfangreiche Absicherung zulassen. Schreibe dir eine Erinnerung, damit du überhaupt darüber nachdenkst.

Die Altersvorsorge

Selbstständige lassen sich häufig von der gesetzlichen Rentenversicherung befreien. Doch auch wenn sie weiterhin in die Rentenkasse einbezahlen, sind die Leistungen im Rentenalter kaum ausreichend.

Um den Lebensstandard im Alter halten zu können, empfiehlt sich eine private Altersvorsorge. Doch als Gründer sind die Geldmittel begrenzt und werden meist in das eigene Unternehmen refinanziert. Eine Rentenversicherung bedeutet eine zusätzliche finanzielle Belastung. Daher wird die private Altersvorsorge nur bedingt für Gründer empfohlen.

Während der Gründungsphase ist der Abschluss einer Rentenversicherung nicht zwingend notwendig. In vielen Fällen ist es sinnvoller, die Altersvorsorge wird erst dann abgeschlossen, wenn sich das Unternehmen etabliert hat. Sobald erste Gewinne erzielt wurden oder wenn Dienstleister einen festen Kundenstamm aufgebaut haben. Denn so können sie sicherstellen, dass die finanziellen Mittel für die Beiträge vorhanden sind.

Möchtest du dennoch bereits als Gründer eine Rente abschließen, gibt es speziell für Selbstständige neben der klassischen Altersvorsorge die staatlich geförderte Rürup-Rente. Die Beiträge für diese Absicherung lassen sich steuerlich absetzen.

2019 können 88 Prozent der Aufwendungen geltend gemacht werden. Bis 2025 wird der Steuervorteil während der Ansparphase auf 100 Prozent optimiert. Für welche Art der Altersvorsorge du dich entscheidest, ist von deinem Einkommen sowie deinen persönlichen und beruflichen Zielen abhängig.

Berufsunfähigkeitsversicherung

  • So früh wie möglich abschließen
  • Bestehende Versicherung nicht kündigen

Viele Gründer waren vor ihrer Selbstständigkeit als Arbeitnehmer tätig. Daher ist es möglich, dass für sie bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung besteht. Dieser Schutz könnt ihr in euer Unternehmertum übertragen. Hierzu muss der Versicherung unter Umständen der neue Beruf mitgeteilt werden.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, eine bestehende Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zu kündigen. Denn bei erneutem Vertragsabschluss werden wieder Gesundheitsfragen gestellt. Außerdem gilt dann ein höheres Eintrittsalter, was sich negativ auf den Beitrag auswirkt.

Ob sich der Abschluss einer Berufsunfähigkeit während der Gründungsphase lohnt, muss jeder selbst entscheiden. Doch die eigene Arbeitskraft ist unser wertvollstes Gut. Ohne die Möglichkeit dem Beruf nachzugehen, droht vielen Menschen das finanzielle Aus.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schützt dich vor diesem Risiko, indem sie finanzielle Sicherheit bietet. Allerdings sind die Kosten für diese Absicherung sehr hoch. Nicht immer steht der Beitrag in einem angemessenen Verhältnis zu den Leistungen. Alternativ zur BU-Versicherung gibt es die sogenannte „Erwerbsunfähigkeitsversicherung“. Diese ist deutlich preiswerter, unterscheidet sich jedoch maßgeblich von einer Berufsunfähigkeit:

Die Berufsunfähigkeitsversicherung leistet, wenn die Versicherten aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf ganz oder teilweise nicht mehr ausüben können. Tritt der Versicherungsfall ein und bleibt voraussichtlich auf Dauer bestehen, zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung eine im Voraus vereinbarten Rente. Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung hingegen leistet erst dann, wenn ihr als Versicherter keinem Erwerb mehr nachgehen könnt.

In unserer nicht repräsentativen Umfrage haben knapp die Hälfte angegeben, solch eine Versicherung zu besitzen. Bedeutet allerdings, dass ebenfalls etwa 50% keine besitzen oder noch nicht darüber nachgedacht haben. Wie ist deine Meinung?

Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist vergleichsweise kostspielig. Daher verzichten die meisten Gründer auf eine entsprechende Absicherung. Vor allem Personen, die körperlich tätig sind, müssen mit hohen Beiträgen rechnen. Selbiges gilt für ältere Antragsteller. Die BU-Versicherung ist am günstigsten für junge Personen, die nicht körperlich arbeiten.

📌 Beispielsweise zahlt eine 20-jährige, freiberufliche Grafikdesignerin für eine Rente von 1.200 Euro einen monatlichen Beitrag ab 50 Euro. Körperlich arbeitende Personen ab 30 bis 35 Jahren können mit Beiträgen von mehr als 100 Euro im Monat rechnen.

Versicherungen für Gründer sind immer individuell

Rechtsstreitigkeiten, Schäden am Inventar oder an Waren und Haftungsansprüche sind Risiken, mit denen die meisten Unternehmen im Laufe der Jahre konfrontiert werden.

Daher ist eine Absicherung bereits in der Gründungsphase unerlässlich. Doch welche Versicherungen speziell für dich und dein Startup wichtig sind, ist individuell zu betrachten.

Setze dich mit den Risiken auseinander, mit denen du in deiner Branche konfrontiert wirst. Anhand einer Bedarfsanalyse kannst du entscheiden, welche Versicherungen für dich und dein Unternehmen unverzichtbar sind. Anschließend kannst du verschiedene Anbieter vergleichen, um eine Gesellschaft zu finden, die deinen Bedarf optimal absichert.

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