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Was ist eine OHG?

Jessika Fichtel Expertin für Entrepreneurship und Karriere

Aktualisiert am

Die Abkürzung OHG steht für „offene Handelsgesellschaft“ und macht deutlich, dass diese Rechtsform vorwiegend dann interessant für dich ist, wenn du ein Handelsunternehmen gründen möchtest.

Die Gesellschaftsform setzt sich aus mindestens zwei Gesellschaftern  zusammen. Hierbei handelt es sich in der Regel um Kaufleute, die sich für ein gemeinsames Projekt zusammenschließen. Neben natürlichen Personen können allerdings auch juristische Personen als Gesellschafter einsteigen.

Interessant ist, dass die OHG in den vergangenen Jahren immer mehr in Vergessenheit geraten ist und mehr und mehr von anderen Rechtsformen verdrängt wird.

Das liegt in erster Linie an der uneingeschränkten Haftung, die für dich gilt, wenn du eine OHG gründest. Vor diesem Hintergrund erscheint für viele Gründer (auch und vor allem im Bereich Handel) die Gründung einer UG (haftungsbeschränkt)  oder GmbH reizvoller.

Dennoch kann nicht gesagt werden, dass die OHG in den nächsten Jahren völlig von der Bildfläche verschwinden wird. Als Weiterentwicklung der GbR ist sie primär dann wichtig, wenn du zusammen mit einem Partner ein Handelsunternehmen gründen möchtest.

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OHG gründen

Wer sich für die Rechtsform OHG entscheidet, der darf sich auf folgenden Gründungsprozess einstellen:

  1. Prüfe, ob du alle grundlegenden Voraussetzungen erfüllst
  2. Setze einen Gesellschaftsvertrag auf
  3. Lasse deine OHG ins Handelsregister eintragen
  4. Melde dein Gewerbe beim Gewerbeamt an
  5. Kontaktiere das Finanzamt

Wie die Einzelschritte im Detail aussehen, haben wir dir in unserem OHG gründen Artikel zusammengetragen.

Vor- und Nachteile

Warum sollte man sich für eine OHG entscheiden? Oder: Was spricht dagegen?

Wenn du dir noch immer nicht ganz sicher bist, welche Rechtsform, die richtige für dein Business ist, dann helfen dir vielleicht die nachfolgenden Vor- und Nachteile der OHG, um deine Entscheidung zu treffen.

Vorteile

  • kein Mindestkapital vorgeschrieben
  • vergleichsweise unkomplizierte und günstige Gründung
  • alle Gesellschafter sind gleichberechtigt
  • freie Wahl bei der Benennung
  • gute Kreditwürdigkeit

Nachteile

  • alle Gesellschafter haften mit ihrem Privatvermögen (zu gleichen Anteilen)
  • nur für Vollkaufleute geeignet
  • Haftungspflicht gilt bis zu fünf Jahre nach Ausscheiden
  • anfällig für Streitereien unter den Gesellschaftern

Steuern

Als Gesellschafter musst du dich auf folgende Steuern einstellen:

  • Einkommenssteuer beziehungsweise Körperschaftssteuer, falls einer der Gesellschafter eine juristische Person ist
  • Gewerbesteuer
  • Umsatzsteuer
  • eventuell Lohnsteuer

Häufig gestellte Fragen

Wie jede Rechtsform wirft natürlich auch die OHG viele Fragen auf.

Ist eine OHG eine Personen- oder eine Kapitalgesellschaft?

Die OHG ist eine Personengesellschaft. Sie wird manchmal auch als Personenhandelsgesellschaft bezeichnet.

Alternativ findest du in folgenden Beitrag weitere Informationen über die Kapitalgesellschaft.

Was ist der Unterschied zwischen OHG und GbR?

Die offene Handelsgesellschaft und die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) werden häufig im gleichen Atemzug genannt. Es liegt also der Verdacht nahe, dass diese beiden Rechtsformen miteinander „verwandt“ sind.

In der Tat gibt es diverse Parallelen zwischen OHG und GbR – aber auch einen entscheidenden Unterschied.

Eine GbR wird meist gegründet, wenn sich zwei Partner zusammenschließen, um gemeinsam eine Geschäftsidee zu realisieren. Es handelt sich hierbei um die ursprünglichste Form einer Personengesellschaft, die verhältnismäßig einfach gegründet werden kann.

Fast identisch verhält es sich auch bei der OHG. Doch hier liegt der Fokus der Geschäftsidee ganz eindeutig auf dem Handel – oder dem kaufmännischen Geschäftsbetrieb.

Die OHG wird auch gern als Weiterentwicklung der GbR bezeichnet.

Unterliegt eine OHG der Publizitätspflicht?

Offene Handelsgesellschaften sind nicht dazu verpflichtet, ihre Jahresabschlüsse offenzulegen.

Die Ausnahme sind OHGs, die einen überdurchschnittlich hohen Jahresumsatz (im oberen Millionenbereich) erwirtschaftet haben.

Wer haftet im Schadensfall?

Falls es zu Komplikationen kommt, haften alle Gesellschafter der OHG – und zwar nicht nur mit ihrem geschäftlichen, sondern auch mit dem privaten Vermögen.

Wie kann ich eine OHG auflösen?

Wie bei jeder Rechtsform gibt es natürlich auch bei der OHG die Möglichkeit, das Unternehmen wieder aufzulösen. Doch auch hier musst du einige Dinge beachten, die nachfolgend erklärt werden sollen.

Die Auflösung einer OHG unterteilt sich in drei Schritte:

  1. Auflösung durch Gesellschafterbeschluss oder gesetzlicher Auflösungsgrund: Die allgemeinen Auflösungsgründe findest du im § 131 HGB. Wichtig ist, dass der Beschluss zur Auflösung von allen Gesellschaftern unterzeichnet und notariell beglaubigt beim Handelsregister eingereicht wird.
  2. Liquidation: Alle Gesellschafter werden nun zu Liquidatoren. In dieser Phase müsst ihr euch um diese Aufgaben kümmern:
    • abschließende Bilanz aufstellen
    • alle laufenden Geschäfte beenden
    • Schulden begleichen und Forderungen einziehen
    • restliches Vermögen umsetzen
    • Vermögen auf die Gesellschafter verteilen
  3. Vollbeendigung: Wurden alle Aufgaben der Liquidation erledigt und letzte offene Fragen geklärt, spricht man im Gesellschaftsrecht von einer Vollbeendigung. Die OHG ist jetzt vollständig aufgelöst.

Autor

Jessika Fichtel

Jessika Fichtel hat sich im Laufe ihrer bisherigen Karriere als Freelance-Autorin auf die Themenschwerpunkte Karriere und Entrepreneurship spezialisiert. Sie gehört seit 2017 zum Team von Junge Gründer. Jessikas besonderes Interesse gilt kreativen Startups, die sich vom „Mainstream“ abheben und sich trauen, anders zu sein. In ihren Artikeln lässt die freiberufliche Texterin gern eigene Erfahrungen einfließen.