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Das solltest du bei einem Non-Disclosure Agreement (NDA) beachten

Egal ob Geldgeber, Freelancer oder Mitarbeiter – nicht jeder, der auf den erste Blick wie dein Freund oder Unterstützer wirkt, ist auch automatisch vertrauenswürdig.

Um unternehmensinterne Informationen (zumindest ansatzweise) vor Missbrauch zu schützen, ist daher ein NDA eine gute Idee.

Was ist ein NDA?

Die Abkürzung NDA steht für „Non-Disclosure Agreement“. Im Deutschen sind vor allem diese Begriffe dafür geläufig:

  • Geheimhaltungsvertrag
  • Geheimhaltungserklärung
  • Geheimhaltungsvereinbarung
  • Vertraulichkeitsvereinbarung
  • Verschwiegenheitsvereinbarung

Egal für welchen Begriff du dich am Ende entscheidest, sie alle stehen für die gleiche Form von Abkommen:

Ein NDA verpflichtet alle Beteiligten (meist ein Unternehmen auf der einen Seite und Investoren, Freelancer, Praktikanten, Mitarbeiter, Lieferanten o.ä. auf der anderen) zur umfassenden Geheimhaltung von vertraulichen Informationen. Damit stellt er nicht selten die Grundlage für die unterschiedlichsten Verhandlungsgespräche dar.

Hin und wieder werden aber auch NDAs abgeschlossen, die nur eine Partei zum Stillschweigen verpflichtet.

Der Vertrag definiert und schützt sensible Daten und Informationen, die unter keinen Umständen an die Öffentlichkeit gelangen dürfen. Passiert dies trotzdem, handelt es sich um einen Vertragsbruch, der mit einer (ebenfalls im NDA festgehaltenen) Vertragsstrafe sanktioniert werden kann.

Informationen, die ein NDA nicht schützen kann, sind die, die

  • der Öffentlichkeit bereits bekannt sind
  • ein Dritter rechtmäßig offenbart
  • der Vertragspartner schon vorher wusste
  • per Gesetz oder behördlicher Auflage offengelegt werden müssen (beispielsweise Handelsregister-Eintrag)

Was regelt ein NDA?

Ein NDA wird in verschiedene Abschnitte oder Paragraphen unterteilt.

Diese regeln beispielsweise:

  • für welche Personen die Geheimhaltungsvereinbarung gilt
  • was unter „Geheimhaltung“ zu verstehen ist
  • was vertrauliche Informationen sind
  • was keine vertraulichen Informationen sind
  • für welchen Zweck die vertraulichen Informationen genutzt werden dürfen
  • was die Rechte und Pflichten des Informationsgebers/-nehmers sind
  • auf welchen Wegen Daten herausgegeben werden dürfen
  • ob (und wenn ja: welche) Informationen an Dritte weitergegeben werden dürfen
  • was mit geteilten Informationen passiert, falls es nicht zu einer Zusammenarbeit kommt
  • was im Falle eines Vertragsbruchs passiert (Vertragsstrafe und Schadensersatz)
  • wie lang das NDA gilt (Laufzeit)

Ein NDA erstellen

Im Internet wirst du natürlich über etliche Vorlagen und Muster für Non-Disclosure Agreements stoßen.

Viele davon eignen sich durchaus als Inspirationsquelle beziehungsweise Formulierungshilfe. Du solltest dir dennoch im Klaren darüber sein, dass jeder Geheimhaltungsvertrag in seinem Wortlaut einzigartig sein muss, wenn du sensible Informationen damit so gut wie möglich schützen und gleichzeitig professionell wirken möchtest.

Beim Erstellen eines NDA kommt es vor allem auf diese Punkte an:

  • Definiere die zu schützenden Informationen genau und möglichst spezifisch
  • Lege fest, dass Informationen nicht explizit als „vertraulich“ bezeichnet werden müssen, um es zu sein
  • Nehme alle schützenswerten Unterlagen, Zeichnungen, Daten, Dokumente usw. im NDA auf
  • Vermeide Schlupflöcher
  • Erstelle das NDA in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Anwalt oder lasse den Vertrag zumindest von einem kontrollieren

Weiter unten im Beitrag findest du ein paar verlinkte NDA-Muster, die dir beim Erstellen behilflich sein können.

Was ist beim NDA zu beachten?

Das Non-Disclosure Agreement ist in den Augen vieler Gründer eine sinnvolle Angelegenheit. Es handelt sich hierbei jedoch eher um ein rechtliches Druckmittel als um einen tatsächlichen Schutzmechanismus.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen: Eine Idee kann in Deutschland nicht rechtlich (zum Beispiel durch das Urheberrecht) geschützt werden. Wenn dein Vertragspartner also beabsichtigt, sie dir zu klauen, kann ihn auch ein NDA (und die darin festgehaltene Vertragsstrafe) nicht davon abhalten.

Nicht selten wird die Vertraulichkeitsvereinbarung daher eher als Abschreckungsmittel betrachtet und nicht als tatsächlicher Rechtsschutz.

Weiterhin solltest du dir im Klaren darüber sein, dass ein Geheimhaltungsvertrag nicht immer automatisch die beste Basis für Verhandlungsgespräche ist. Viele (professionelle) Investoren betrachten das Non-Disclosure Agreement als absolutes No-Go.

Viele Anwälte hingegen bezeichnen das Dokument als unverzichtbar.

Wann ist ein NDA notwendig?

Es gibt viele verschiedene Situationen, in denen ein NDA durchaus sinnvoll ist. Hierzu gehören beispielsweise:

  • Investorengespräche
  • Unternehmensübernahme
  • Lizenzvergabe
  • Zusammenarbeit mit Freelancern

Ob ein Non-Disclosure Agreement tatsächlich notwendig ist, wird jeder Gründer anders bewerten. Bedenke immer: Auch wenn deine Geschäftsidee noch so gut und „schützenswert“ ist, kann ein NDA durchaus die falschen Signale senden und einen Deal platzen lassen.

Es ist keine Seltenheit, dass Start-Ups und Unternehmen bewusst auf eine Geheimhaltungsvereinbarung verzichten, um ihren Partnern zu signalisieren, dass sie ihnen vertrauen.

Was passiert bei einem Verstoß gegen das NDA?

Wenn du dich für ein NDA entschieden hast und es zu einem Vertragsbruch kam, hast du natürlich die Möglichkeit, vor Gericht zu gehen.

Der Geheimhaltungsvertrag wird eine wichtige Rolle in der Verhandlung spielen und dir dabei helfen, eine Summe X, die als Vertragsstrafe festgelegt wurde, von der gegnerischen Partei zu erhalten.

Echte Aussichten auf Erfolg hast du allerdings nur, wenn ein Vertragsbruch eindeutig nachgewiesen werden kann. An dieser Stelle wird besonders deutlich, warum es so wichtig ist, Schlupflöcher im NDA zu vermeiden und das Dokument so spezifisch wie möglich zu formulieren.

Beim Festlegen der Höhe der Vertragsstrafe ist übrigens Fingerspitzengefühl gefragt. Fällt der Betrag zu hoch aus, wirkt das extrem abschreckend auf deine Partner. Ist er hingegen zu gering, kann das fast schon als Einladung zum Ideenklau verstanden werden.

Außerdem ist immer wieder zu lesen, dass Strafsummen in Höhe von 5.000 Euro und weniger so gering sind, dass die Vertragsbrüche nur vor Amtsgerichten verhandelt werden. Diese wiederum weisen oft nicht das benötigte Fachwissen auf und entscheiden im schlimmsten Fall zugunsten des Informationsnehmers. (Anmerkung Jessika @Anwalt: Ist das wirklich so?)

Einen (zusätzlichen) Schadensersatz kannst du übrigens erst dann einfordern, wenn der Vertragsbruch auch wirklich zu einem eindeutigen und nachweisbaren Schaden geführt hat. Das klingt im ersten Moment vielleicht ganz einfach. Doch in der Praxis zeigt sich immer wieder, dass dies nur selten wirklich der Fall ist.

Häufig gestellte Fragen zum NDA

In unserem FAQ zum Non-Disclosure Agreement beantworten wir dir weitere offene Fragen, sodass du am Ende umfassend zu diesem Thema informiert bist.

Was bedeutet NDA auf deutsch?

NDA steht für Non-Disclosure, ins Deutsche übersetzt also „Nicht-Offenlegungs-Abkommen“.

Heißt es „das NDA“ oder „der NDA“?

Da es sich bei „NDA“ um die Abkürzung eines englischen Begriffs handelt, kann die Frage nach dem korrekten deutschen Artikel nur schwer beantwortet werden.

In den meisten Fällen findet man die Formulierung „das NDA“, weil von einem Abkommen die Rede ist.

Würde man „Agreement“ mit „Vereinbarung“ oder „Einigung“ übersetzen, könnte es auch „die NDA“ heißen.

Wer kann einen NDA unterschreiben?

Grundsätzlich wird ein NDA von zwei Parteien unterzeichnet:

  • dem Informationsgeber (zum Beispiel ein Startup oder ein Erfinder)
  • dem Informationsnehmer (beispielsweise ein Investor, ein Freelancer, ein Praktikant, ein Geschäftspartner, etc.)

Auf Seiten des Informationsgebers wird das NDA in der Regel vom Geschäftsführer oder einem Gesellschafter unterschrieben. Auch mehrere Personen können das Dokument unterzeichnen, wenn es gewünscht wird.

Wie hoch sollte die Vertragsstrafe sein?

Wie weiter oben bereits erwähnt, solltest du die Höhe der Vertragsstrafe nicht leichtfertig festlegen.

Eine zu hohe Summe schreckt viele Geschäftspartner ab und wird als Zeichen großen Misstrauens interpretiert. Fällt die Strafe hingegen zu gering aus, fühlen sich eventuelle Ideen-Diebe regelrecht eingeladen.

Grundsätzlich gibt es keine festen Regeln für die Festsetzung der Vertragsstrafe. Wichtig ist, dass die Sanktion angemessen ist und immer auch als realistisch eingestuft werden kann.

Soll heißen: Ein frisch gegründetes Start-Up, das nichts weiter als eine Idee zu bieten hat und sich auf die Suche nach Investoren macht, wird wohl kaum 1 Millionen Euro Vertragsstrafe verlangen können.

Wo finde ich Muster für ein NDA?

Im Netz findest du natürlich zahlreiche Vorlagen für ein Non-Disclosure Agreement.

NDA-Muster, die uns überzeugt haben, gibt es zum Beispiel beim Rechtsanwalt Jacob Metzler und bei der IHK Frankfurt am Main.

Diese und andere Vorlagen sollten allerdings immer nur als Inspiration genutzt und niemals 1:1 verwendet werden. Auch wenn die Formulierungen in den Mustern gut klingen, sind sie doch viel zu allgemein und bieten jede Menge Schlupflöcher, die deine Vertragspartner ausnutzen können.

Wenn du ein NDA aufsetzen möchtest, muss dieses immer individuell formuliert werden.

Ist ein NDA auch ohne Laufzeit gültig?

Ein NDA ist nicht zwangsläufig an eine Laufzeit gebunden und somit auch ohne gültig.

In der Praxis ist es jedoch normal, einen Zeitpunkt festzulegen, ab dem die Geheimhaltungserklärung nicht mehr gültig ist.

Welche Bedeutung hat ein NDA vor Gericht?

Wenn ein Geschäftspartner sensible Informationen von dir nutzt und/oder veröffentlicht, dann ist das NDA ein wichtiges Dokument vor Gericht.

Wir betonen an dieser Stelle jedoch nochmals, dass der Vertrag ein rechtliches Druckmittel und keinen allumfassenden Schutz darstellt.

Warum unterschreiben manche Business Angels kein NDA?

Professionelle Geldgeber wie Business Angels und Venture-Kapitalisten weigern sich oftmals kategorisch, einen Geheimhaltungsvertrag zu unterschreiben. Das liegt vor allem an diesen Gründen:

  • zu viel Aufwand und Papierkram
  • Zeichen von mangelndem Vertrauen in andere Personen
  • Zeichen von mangelndem Vertrauen in sich selbst

Zusammenfassung

Es ist definitiv ein riesiger Schritt, seine Geschäftsidee oder vertrauliche Informationen mit anderen Menschen zu teilen.

Wenn du einen Informationsnehmer zum Stillschweigen verpflichten möchtest, dann ist ein NDA durchaus eine Überlegung wert. Vergiss aber nie, dass dich auch dieser Vertrag nie vollständig vor (potentiellen) Ideenklau schützt.

Wer davor sicher sein will, muss seine Visionen wohl oder übel mit ins Grab nehmen.

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