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Innolend – Factoring „neu“ gedacht

Da Innolend mittlerweile liquidiert wurde, haben wir den Artikel umfänglich aktualisiert.

Innolend ist ein Fintech-Startup aus Berlin, das Factoring neu denken wollte. Es wurde 2016 gegründet, existiert aber mittlerweile nicht mehr. In diesem Beitrag erfährst du alles zur Geschäftsidee und zum Scheitern von Innolend.

Steckbrief Innolend

  • Art des Startups: Fintech/Factoring-Dienstleister
  • Geschäftsführer: Niklas Lechner, Sebastian Lechner und Christian Wöhlke
  • Geschäftsbetrieb: Januar 2016 bis Frühjahr 2018
  • Firmensitz: Berlin
  • Geschäftsform: GmbH
  • Anzahl der Mitarbeiter: unter 20
  • Geschäftsbeziehung: B2B
  • Investoren: u.a. Rocket Internet und verschiedene Business Angels
  • Partner: MHB-Bank
  • ähnliche Anbieter: aifinyo, Billie, Fundflow

Innolend betrat im Januar 2016 die Startup-Bühne und wurde schon bald als neuer Stern am Fintech-Himmel gehandelt. Das lag vor allem daran, dass das Unternehmen mit Sitz in Berlin schon früh durch eine Seed-Finanzierung von Rocket Internet unterstützt wurde. Auch verschiedene Business Angels sahen das Potential in Innolend und investierten in das Startup.

So funktionierte das Geschäftsmodell von Innolend

Als moderner Finanzdienstleister hatte sich Innolend dem Bereich Kreditvergabe beziehungsweise Factoring verschrieben. Die „Finanzierungslösung für KMUs“, so der Slogan des Unternehmens, positionierte sich eindeutig und sprach eine klar definierte Zielgruppe an.
Das Kerngeschäft von Innolend kann folgendermaßen beschrieben werden:

  • kleine und mittelständische Unternehmen, die nicht auf den Zahlungseingang ihrer Kunden warten können/wollen, legen ein Profil bei Innolend an
  • hierbei wird automatisch ein kostenloses Konto bei der Partnerbank MHB angelegt; dieses muss auf späteren Rechnungen angegeben werden
  • die Unternehmen laden ihre Forderungen (in Höhe von 5.000 bis 250.000 Euro) in Form von Rechnungen hoch
  • Innolend überweist innerhalb von 24 Stunden 85% der Forderungssumme abzüglich einer Bearbeitungsgebühr auf das Konto der Unternehmen
  • nach Eingang des Rechnungsbetrags auf das Konto der Partnerbank erhalten die Unternehmen den Restbetrag abzüglich der Zinsen

Dieses Video erklärt das Geschäftsmodell von Innolend anschaulich und einfach:

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Enge Auswahlkriterien für Kunden und Debitoren

Innolend hat sich von Anfang an einer ganz bestimmten Zielgruppe verschrieben: Den kleinen und mittelständischen Unternehmen. Wirft man jedoch einen noch genaueren Blick auf das Geschäftsmodell des Fintechs, kann man feststellen, dass es noch mehr Auswahlkriterien hatte.

So konnte nur Innolend-Kunde werden, der:

  • einen Jahresumsatz von mindestens 100.000 Euro hat
  • eine mindestens sechsmonatige Handelshistorie vorweisen kann
  • Waren oder Dienstleistungen verkauft
  • seinen Firmensitz in Deutschland hat

Noch strenger waren jedoch die Regularien im Hinblick auf die Debitoren, also Unternehmen, die die offenen Forderungen begleichen sollten. Für diese stellte Innolend folgende Auswahlkriterien auf:

  • jährlicher Umsatz in Höhe von mindestens fünf Millionen Euro
  • Firmensitz in Deutschland
  • börsennotiertes oder öffentliches Unternehmen

Was waren die Vorteile und Nachteile von Innolend?

Innolend hat das Konzept des Factorings sicher nicht neu erfunden. Im Gegenteil: Das Startup hat sich einer jahrhundertealten Finanzierungsmöglichkeit bedient und ihr lediglich ein modernes Gewand übergeworfen.

Was sind also die Vorteile, die Kunden dazu animierten, Innolend – und keinen Konkurrenzanbieter – auszuwählen? Und: Welche Nachteile mussten sie kennen?

Vorteile von Innolend

  • spezielle Ausrichtung auf KMU
  • hohe Kreditspanne (bis 250.000 Euro)
  • keine Kommunikation mit Debitoren, so blieb das Factoring geheim
  • Prozess lief komplett online ab
  • einfache, schnelle und kostenlose Registrierung
  • Geldeingang meist innerhalb von 24 Stunden
  • keine Vertragsbindung
  • sehr guter Kundenservice mit Hotline, FAQ, Kostenrechner, Chat, Social Media usw.
  • keine Begrenzung der Anzahl an Forderungen
  • Eröffnung eines kostenlosen Kontos bei der Partnerbank

Nachteile von Innolend

  • hohe Anforderungen an Kunden und v.a. an Debitoren
  • bei Ausfall einer Forderung muss Kunde die Rückzahlung selbst leisten

Trotz etlicher Vorzüge: Innolend scheiterte 2018

Mitte März 2018 verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer in der Startup-Welt: Das von Rocket Internet finanzierte Fintech Innolend hat die Segel gestrichen und seine Liquidierung angemeldet.

Was genau die Gründe hierfür waren, kann bis heute nicht eindeutig gesagt werden. Fachmedien wie Gründerszene.de und deutsche-startups.de berichteten damals, dass keine Folgefinanzierung für Innolend zustande kam – weder von Rocket Internet noch von den anderen Business Angels, die das Unternehmen unterstützt hatten.

Die Geschäftsführer Niklas Lechner, Sebastian Lechner und Christian Wöhlke äußerten sich selbst nicht zum Ende von Innolend. Man kann also bis heute nur mutmaßen, ob das Ausleiben von finanziellen Mitteln der alleinige Grund für das Scheitern war oder ob noch weitere Faktoren dazu beigetragen haben.

Einige Stimmen gaben zu bedenken, dass die Gründer des Fintechs die Risiken ihrer Geschäftsidee vielleicht nicht vollständig auf dem Schirm hatten und deswegen gescheitert sein könnten.

Der Factoring-Markt ist groß

Auf der Suche nach Gründen für das Scheitern von Innolend fallen drei Dinge sehr schnell auf:

  1. das Geschäftsmodell ist nicht wirklich innovativ
  2. das Fintech hat ein relativ kleines Kundensegment angesprochen
  3. die Anzahl der Konkurrenz-Unternehmen war und ist groß

Schaut man sich die Branche der Factoring-Anbieter an, so findet man innerhalb kürzester Zeit viele Unternehmen, die im Grunde genommen genau das tun, was auch Innolend getan hat: Die Vergabe von kurzfristigen Krediten durch Übernahme offener Forderungen.

Sicherlich hatte Innolend einige spannende Ansätze, die auf Kunden besonders attraktiv gewirkt haben – ein gutes Beispiel hierfür ist die diskrete Umsetzung des Factorings – doch letztlich war das Startup vermutlich zu austauschbar.

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