Was ist ein NDA?

Kilian Springer

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Ein NDA als zweiseitige Vereinbarung verpflichtet alle Beteiligten (meist ein Unternehmen einerseits und Investoren, Freelancer, Praktikanten, Mitarbeiter, Lieferanten o. Ä. andererseits) zur umfassenden Geheimhaltung von vertraulichen Informationen. Damit stellt er nicht selten die Grundlage für die unterschiedlichsten Verhandlungsgespräche dar.

Beim einseitigen NDA wird nur eine Partei zum Stillschweigen verpflichtet. Diese Variante findet in der Gründerszene besonders häufig Anwendung.

Die Abkürzung NDA steht für „Non-Disclosure Agreement“. Im Deutschen sind auch diese Begriffe dafür geläufig:

  • Geheimhaltungsvertrag
  • Geheimhaltungserklärung
  • Geheimhaltungsvereinbarung
  • Vertraulichkeitsvereinbarung
  • Verschwiegenheitsvereinbarung

Egal, ob ein- oder zweiseitig, der Geheimhaltungsvertrag definiert und schützt sensible Daten und Informationen, die unter keinen Umständen an die Öffentlichkeit gelangen dürfen. Passiert dies trotzdem, handelt es sich um einen Vertragsbruch, der mit einer (ebenfalls im NDA festgehaltenen) Vertragsstrafe sanktioniert werden kann.

Information: Eine Vertragsstrafe im NDA ist kein Muss, wird von unserer Seite aber ausdrücklich empfohlen. Fehlt eine solche Regelung im Vertrag, müsste im Streitfall gerichtlich ein Schaden geltend gemacht werden.

Informationen, die ein NDA nicht schützen kann, sind die, die

  • der Öffentlichkeit bereits bekannt sind
  • ein Dritter rechtmäßig offenbart
  • der Vertragspartner schon vorher wusste
  • per Gesetz oder behördlicher Auflage offengelegt werden müssen (etwa Handelsregister-Eintrag)

Was regelt ein NDA?

Ein NDA wird in verschiedene Abschnitte oder Paragrafen unterteilt.

Diese regeln beispielsweise:

  • für welche Personen die Geheimhaltungsvereinbarung gilt
  • was unter „Geheimhaltung“ zu verstehen ist
  • was vertrauliche Informationen sind
  • was keine vertraulichen Informationen sind
  • für welchen Zweck die vertraulichen Informationen genutzt werden dürfen
  • was die Rechte und Pflichten des Informationsgebers/-nehmers sind
  • auf welchen Wegen Daten herausgegeben werden dürfen
  • ob (und wenn ja: welche) Informationen an Dritte weitergegeben werden dürfen
  • was mit geteilten Informationen passiert, falls es nicht zu einer Zusammenarbeit kommt
  • was im Falle eines Vertragsbruchs passiert (Vertragsstrafe und Schadensersatz)
  • wie lang das NDA gilt (Laufzeit)

Ein NDA erstellen

Im Internet wirst du natürlich über etliche Vorlagen und Muster für Non-Disclosure Agreements stoßen.

Viele davon eignen sich als Inspirationsquelle beziehungsweise Formulierungshilfe. Du solltest dir dennoch im Klaren darüber sein, dass jeder Geheimhaltungsvertrag in seinem Wortlaut einzigartig sein muss, wenn du sensible Informationen damit so gut wie möglich schützen und gleichzeitig professionell wirken möchtest.

Beim Erstellen eines NDA kommt es primär auf diese Punkte an:

  • Definiere die zu schützenden Informationen
  • Lege fest, dass Informationen nicht explizit als „vertraulich“ bezeichnet werden müssen, um es zu sein
  • Erstelle das NDA in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Anwalt oder lasse den Vertrag zumindest von einem kontrollieren

Weiter unten im Beitrag findest du ein verlinktes NDA-Muster, das dir beim Erstellen behilflich sein kann.

Gut zu wissen: Immer wieder wird empfohlen, die zu schützenden Inhalte im NDA so genau und spezifisch wie möglich zu definieren. Hierbei solltest du aber beachten: Je detaillierter du auf einzelne Dinge hinweist, umso mehr könnten andere hinten herunterfallen. Spätestens hier dürfte klar sein, warum die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Anwalt so wichtig ist.

Was ist beim NDA zu beachten?

Das Non-Disclosure Agreement ist in den Augen vieler Gründer eine sinnvolle Angelegenheit. Es handelt sich hierbei jedoch eher um ein rechtliches Druckmittel als um einen tatsächlichen Schutzmechanismus.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen: Eine reine Idee oder ein Konzept wie Franchise oder eine Lehrmethode kann in Deutschland und vielen anderen Ländern rechtlich (zum Beispiel durch das Urheberrecht) nicht geschützt werden. Wenn dein Vertragspartner also beabsichtigt, deine Idee nachzuahmen, kann ihn auch ein NDA (und die darin festgehaltene Vertragsstrafe) kaum davon abhalten.

Nicht selten wird die Vertraulichkeitsvereinbarung daher eher als Abschreckungsmittel betrachtet und nicht als tatsächlicher Rechtsschutz.

Weiterhin solltest du dir im Klaren darüber sein, dass ein Geheimhaltungsvertrag nicht immer automatisch die beste Basis für Verhandlungsgespräche ist. Viele (professionelle) Investoren betrachten das Non-Disclosure Agreement als absolutes No-Go.

Viele Anwälte hingegen bezeichnen das Dokument als unverzichtbar.

Wann ist ein NDA notwendig?

Es gibt viele verschiedene Situationen, in denen ein NDA sinnvoll ist. Hierzu gehören beispielsweise:

  • Investorengespräche
  • Unternehmensübernahme
  • Zusammenarbeit mit Auftragnehmern, etwa Freelancern

Ob ein Non-Disclosure Agreement tatsächlich notwendig ist, wird jeder Gründer anders bewerten. Bedenke immer: Auch wenn deine Geschäftsidee noch so gut und schützenswert ist, kann ein NDA die falschen Signale senden und einen Deal platzen lassen.

Es ist keine Seltenheit, dass Startups und Unternehmen bewusst auf eine Geheimhaltungsvereinbarung verzichten, um ihren Partnern zu signalisieren, dass sie ihnen vertrauen.

Was passiert bei einem Verstoß gegen das NDA?

Wenn du dich für ein NDA entschieden hast und es zu einem Vertragsbruch kam, hast du natürlich die Möglichkeit, vor Gericht zu gehen.

Der Geheimhaltungsvertrag wird eine wichtige Rolle in der Verhandlung spielen und dir dabei helfen, eine Summe X, die als Vertragsstrafe festgelegt wurde, von der gegnerischen Partei zu erhalten.

Echte Aussichten auf Erfolg hast du allerdings nur, wenn ein Vertragsbruch eindeutig nachgewiesen werden kann. An dieser Stelle wird besonders deutlich, warum es so wichtig ist, Schlupflöcher im NDA zu vermeiden und das Dokument so spezifisch wie möglich zu formulieren.

Beim Festlegen der Höhe der Vertragsstrafe ist übrigens Fingerspitzengefühl gefragt. Fällt der Betrag zu hoch aus, wirkt das eventuell abschreckend oder gar unangemessen auf deine Partner. Ist er hingegen zu gering, kann das fast schon als Einladung zum Ideenklau verstanden werden.

Als grobe Faustregel kannst du dir merken, dass sich die Höhe der Vertragsstrafe immer am Wert der Sache orientieren sollte.

Einen (zusätzlichen) Schadensersatz kannst du übrigens erst dann einfordern, wenn der Vertragsbruch auch wirklich zu einem eindeutigen und nachweisbaren Schaden geführt hat. Das klingt im ersten Moment vielleicht ganz einfach. Doch in der Praxis zeigt sich immer wieder, dass dies nur selten wirklich der Fall ist.

Häufig gestellte Fragen zum NDA

In unserer FAQ zum Non-Disclosure Agreement beantworten wir dir weitere offene Fragen, sodass du am Ende umfassend zu diesem Thema informiert bist.

Was bedeutet NDA auf Deutsch?

NDA steht für Non-Disclosure Agreement, ins Deutsche übersetzt also „Nicht-Offenlegungs-Abkommen“. In der Praxis wird auch oft das Wort Geheimhaltungsvereinbarung genutzt.

Heißt es „das NDA“ oder „der NDA“?

Da es sich bei „NDA“ um die Abkürzung eines englischen Begriffs handelt, kann die Frage nach dem korrekten deutschen Artikel nur schwer beantwortet werden.

In den meisten Fällen findet man die Formulierung „das NDA“, weil von einem Abkommen die Rede ist.

Würde man „Agreement“ mit „Vereinbarung“ oder „Einigung“ übersetzen, könnte es auch „die NDA“ heißen.

Wer kann einen NDA unterschreiben?

Grundsätzlich wird ein NDA von zwei Parteien unterzeichnet:

  • dem Informationsgeber (etwa ein Startup oder ein Erfinder)
  • dem Informationsnehmer (etwa ein Investor, ein Freelancer, ein Praktikant, ein Geschäftspartner etc.)

Information: Bei einem zweiseitigen können du und dein Geschäftspartner beide Rollen einnehmen – also sowohl die des Informationsgebers als auch des Informationsnehmers.

Aufseiten des Informationsgebers wird das NDA in der Regel vom Geschäftsführer oder einem Gesellschafter unterschrieben. Auch mehrere Personen können das Dokument unterzeichnen, wenn es gewünscht wird.

Wie hoch sollte die Vertragsstrafe sein?

Wie weiter oben bereits erwähnt, solltest du die Höhe der Vertragsstrafe nicht leichtfertig festlegen.

Eine zu hohe Summe schreckt viele Geschäftspartner ab und wird als Zeichen großen Misstrauens interpretiert. Fällt die Strafe hingegen zu gering aus, fühlen sich eventuelle Ideen-Diebe regelrecht eingeladen.

Grundsätzlich gibt es keine festen Regeln für die Festsetzung der Vertragsstrafe. Wichtig ist, dass die Sanktion angemessen ist und immer auch als realistisch eingestuft werden kann.

Soll heißen: Ein frisch gegründetes Startup, das nichts weiter als eine Idee zu bieten hat und sich auf die Suche nach Investoren macht, wird wohl kaum 1 Million Euro Vertragsstrafe verlangen können.

Wo finde ich Muster für ein NDA?

Im Netz findest du natürlich zahlreiche Vorlagen für ein Non-Disclosure Agreement.

Ein NDA-Muster, das uns überzeugt hat, findest du zum Beispiel bei der IHK Frankfurt am Main.

Diese und andere Vorlagen sollten allerdings immer nur als Inspiration genutzt und niemals 1:1 verwendet werden. Auch wenn die Formulierungen in den Mustern gut klingen, sind sie doch viel zu allgemein und bieten zahlreiche Schlupflöcher, die deine Vertragspartner ausnutzen können.

Ist ein NDA auch ohne Laufzeit gültig?

Ein NDA ist nicht zwangsläufig an eine Laufzeit gebunden und entsprechend ohne gültig.

Ob es sinnvoll ist, einen Zeitpunkt festzulegen, ab dem die Geheimhaltungserklärung nicht mehr gültig ist, hängt stark vom Gegenstand der Geheimhaltung ab.

Welche Bedeutung hat ein NDA vor Gericht?

Wenn ein Geschäftspartner sensible Informationen von dir nutzt und/oder veröffentlicht, dann ist das NDA ein wichtiges Dokument vor Gericht.

Wir betonen an dieser Stelle jedoch nochmals, dass der Vertrag ein rechtliches Druckmittel und keinen allumfassenden Schutz darstellt.

Warum unterschreiben manche Business Angels keinen NDA?

Professionelle Geldgeber wie Business Angels und Venture-Kapitalisten weigern sich oftmals kategorisch, einen Geheimhaltungsvertrag zu unterschreiben. Das liegt vorwiegend an diesen Gründen:

  • zu viel Aufwand und Papierkram
  • Zeichen von mangelndem Vertrauen in andere Personen
  • Zeichen von mangelndem Vertrauen in sich selbst

Zusammenfassung

Es ist definitiv ein riesiger Schritt, seine Geschäftsidee oder vertrauliche Informationen mit anderen Menschen zu teilen.

Wenn du einen Informationsnehmer zum Stillschweigen verpflichten möchtest, dann ist ein NDA eine Überlegung wert. Vergiss aber nie, dass dich auch dieser Vertrag nie vollständig vor potenziellen Ideenklau schützt.

Wer davor sicher sein will, muss seine Visionen zwangsläufig mit ins Grab nehmen.

Autor

Kilian Springer

Kilian Springer begleitet Startups und Selbstständige von der Idee bis zum Business-Alltag zu verschiedenen Themen wie Online-Shops, Erstellung von Verträgen oder Arbeitsrecht. Besonders hat er sich auf die Rechtsbereiche IT-, Software- und Internetrecht spezialisiert. Seine frühesten Gründungserfahrungen hat er mit 18 in einem selbst gegründeten Verein für Kunst und Kultur gesammelt und seitdem hat ihn das Do-it-yourself Prinzip nicht mehr losgelassen. Er möchte als Teil von Junge Gründer gern dabei helfen, Ideen so rechtssicher wie möglich umzusetzen.