Das solltest du beim Erstellen eines Arbeitsvertrags beachten

Wenn dein Unternehmen stetig wachsen soll, wirst du früher oder später Mitarbeiter einstellen müssen. Spätestens dann ist es an der Zeit, dich mit dem Arbeitsvertrag auseinanderzusetzen.

Hier zeigen wir dir alles, was du über dieses Dokument wissen musst.

Was ist ein Arbeitsvertrag?

Der Arbeitsvertrag ist ein Vertrag zwischen:

  • dem Arbeitgeber und
  • dem Arbeitnehmer

Darin definieren beide Parteien gemeinsam die Pflichten und Rechte des Arbeitsverhältnisses.

Rechte und Pflichten im Arbeitsvertrag

Grundsätzlich unterscheidet man im Arbeitsvertrag zwischen Haupt- und Nebenpflichten.

Die Hauptpflicht des Arbeitgebers ist es, dem Arbeitnehmer ein monatliches Entgelt zu zahlen.

Dieser wiederum verpflichtet sich zur Erbringung einer zuvor definierten Arbeitsleistung. Ausnahmen hierfür bilden der Erholungsurlaub, Krankheit, Feiertage und der Mutterschutz.

Zu den Nebenpflichten gehören:

  • Fürsorgepflicht für den Arbeitgeber: er muss unter anderem dafür sorgen, dass der Arbeitsschutz eingehalten wird und kein Mitarbeiter diskriminiert, gemobbt oder sexuell belästigt wird
  • Treuepflicht für den Arbeitnehmer: er verpflichtet sich beispielsweise zur Geheimhaltung unternehmensinterner Informationen und zu einem Wettbewerbsverbot

Das wichtigste Recht für dich als Arbeitgeber ist die Weisungsbefugnis; also die Befugnis, deinen Mitarbeitern vorzuschreiben, was sie tun (und lassen) sollen.

Die Rechte des Arbeitnehmers umfassen beispielsweise das Recht auf

  • Gleichbehandlung
  • Pausen
  • Urlaub
  • Akteneinsicht
  • Arbeitsschutz

Inhalte des Arbeitsvertrags

Solange keine rechtlichen Grenzen überschritten oder Tarifverträge missachtet werden, gilt für den Arbeitsvertrag die Vertragsfreiheit. Das bedeutet, er kann inhaltlich frei gestaltet und (immer wieder) angepasst werden, sofern beide Parteien dem zustimmen.

Inhalte, die nicht im Arbeitsvertrag festgehalten werden, werden mithilfe von gesetzlichen Bestimmungen geregelt, sofern diese in Gesetzen festgelegt sind (zum Beispiel die Anzahl der Urlaubstage).

Weiterhin ist es wichtig, zu wissen, dass manche Dinge im Arbeitsvertrag stehen müssen, andere wiederum können.

Was muss im Arbeitsvertrag stehen?

Als (zukünftiger) Arbeitgeber fragst du dich sicherlich: Was muss rein in den Arbeitsvertrag? Hier findest du die Antwort.

Pflichtangaben im Arbeitsvertrag sind:

  • Name und Anschrift des Arbeitgebers
  • Name, Anschrift und Geburtsdatum des Arbeitnehmers
  • Beginn des Arbeitsverhältnisses
  • Arbeitsort(e)
  • (möglichst genaue) Tätigkeitsbeschreibung
  • Angaben zur Arbeitszeit
  • Angaben zum Arbeitsentgelt (Höhe, Fälligkeit, Zusammensetzung, Sonderzahlungen, etc.)
  • Angaben zum Erholungsurlaub
  • Angaben zur Pausenregelung
  • Kündigungsfristen
  • Hinweise auf eventuelle Tarifverträge, Betriebs- und Dienstvereinbarungen

Was kann im Arbeitsvertrag stehen?

Neben den Pflichtangaben im Arbeitsvertrag gibt es weitere Inhalte, die als optional bezeichnet werden können.

Hierzu gehören unter anderem diese Punkte:

  • Angaben zur eventuellen Befristung der Tätigkeit (mit Ende des Anstellungsverhältnisses)
  • Angaben zur eventuellen Probezeit
  • Regelung im Fall von nebenberuflichen Tätigkeiten/Wettbewerbsverbot
  • Angaben zu Überstunden und Mehrarbeit
  • Verschwiegenheits-/Geheimhaltungsklausel
  • Einkommensfortzahlung bei Krankheit
  • sonstige Zusatzvereinbarungen (beispielsweise privates Surfen im Büro oder private Nutzung von Betriebseigentum)
  • Vertragsstrafen

Häufig gestellte Fragen zum Arbeitsvertrag

Falls du noch offene Fragen rund um den Arbeitsvertrag hast, solltest du einen Blick in unser FAQ werfen. Hier findest du viele aufschlussreiche Antworten.

Warum ist ein schriftlicher Arbeitsvertrag wichtig?

Der Arbeitsvertrag bildet die Basis eines jeden Arbeitsverhältnisses.

Es sollte sowohl im Interesse des Arbeitgebers als auch des Arbeitnehmers sein, alle notwendigen Rahmenbedingungen für eine gute Zusammenarbeit festzulegen.

Dabei geht es vor allem darum, die jeweiligen Rechte und Pflichten (siehe weiter oben) zu vereinbaren, sodass jeder Beteiligte weiß, worauf er sich bei Vertragsunterzeichnung einlässt und was er vom anderen erwarten darf.

Wer unterschreibt den Arbeitsvertrag zuerst?

Es gibt keine festgelegte Reihenfolge für das Unterzeichnen eines Arbeitsvertrags.

In der Praxis hat es sich jedoch etabliert, dass zunächst der Arbeitgeber unterschreibt, um zu signalisieren: Ich möchte dich gern als meinen Angestellten haben.

Dem Arbeitnehmer steht es anschließend frei, dieses Angebot anzunehmen (also den Vertrag ebenfalls zu unterschreiben) oder abzulehnen.

Wer erhält das Original vom Arbeitsvertrag?

Beide Parteien, die den Arbeitsvertrag unterschreiben, erhalten ein Original dieses Dokuments.

Das bedeutet, dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer zwei (identische) Arbeitsverträge unterzeichnen muss.

Welches Gesetz regelt den Arbeitsvertrag?

Es gibt verschiedene Gesetze, die Vorgaben für den Arbeitsvertrag liefern. Diese hier solltest du auf jeden Fall kennen:

Was darf nicht im Arbeitsvertrag stehen?

Laut §305c BGB dürfen Klauseln im Arbeitsvertrag weder mehrdeutig noch überraschend sein. Sobald der „Interpretationsspielraum“ zu groß wird, dürfen Arbeitnehmer die Formulierung rechtlich in Frage stellen.

Ganz allgemein gilt außerdem: Alles, was gegen das Gesetz verstößt – beispielsweise zu wenige Urlaubstage, Befristungen ohne sachlichen Grund, die länger als zwei Jahre dauern oder Missachtung des Mutterschutzes -, ist im Arbeitsvertrag natürlich auch nicht gestattet.

Warum muss man einen Arbeitsvertrag schriftlich abschließen?

In Deutschland gibt es keine gesetzlich vorgeschriebene Form für den Arbeitsvertrag. Das bedeutet, er kann – theoretisch – auch mündlich abgeschlossen werden.

Diese Vorgehensweise ist in der Praxis jedoch weniger verbreitet und auch nicht sonderlich empfehlenswert.

Denn sollte es doch einmal zu Auseinandersetzungen vor Gericht kommen, ist ein schriftlicher Arbeitsvertrag einfach das bessere Beweismittel.

Übrigens: Auch wenn ein mündlicher Arbeitsvertrag grundsätzlich erlaubt ist, verlangt das Nachweisgesetz, dass wesentliche Vertragsbedingungen spätestens einen Monat nach Beginn der Zusammenarbeit schriftlich festgehalten werden. Das ist sowohl für den Arbeitnehmer als auch den Arbeitgeber eine wichtige Absicherung.

Eine Kündigung hingegen muss in jedem Fall schriftlich erfolgen.

Wann ist ein Arbeitsvertrag gültig?

Ein Arbeitsvertrag ist gültig, wenn beide Parteien ihre Zustimmung bekunden – also beispielsweise durch eine Unterschrift oder eine mündliche Zusage (im Falle des mündlichen Arbeitsvertrags).

Liegt der Arbeitsvertrag in schriftlicher Form vor, ist es außerdem wichtig, dass das Dokument nicht gegen geltendes Recht verstößt. Wäre dies der Fall, wäre er unter Umständen ungültig.

Welche Daten werden für den Arbeitsvertrag benötigt?

Wenn du einen Arbeitsvertrag aufsetzen möchtest, benötigst du den vollständigen Namen, die aktuelle Wohnanschrift und das Geburtsdatum deines neuen Mitarbeiters.

Weitere Informationen (beispielsweise Geburtsort sowie Staatsangehörigkeit und Familienstand) sind nicht relevant.

Muss ein Arbeitsvertrag immer mit Probezeit sein?

Nein, ein Arbeitsvertrag kann grundsätzlich auch ohne Probezeit abgeschlossen werden.

Was gilt es beim Arbeitsvertrag mit Befristung zu beachten?

Befristete Arbeitsverträge sind keine Seltenheit.

Wenn du einen solchen abschließen möchtest, solltest du allerdings auf etwas ganz Entscheidendes achten:

  • mit Angabe eines sachlichen Grundes (beispielsweise „Schwangerschaftsvertretung“ oder „Saisonarbeit“) sind befristete Arbeitsverträge unbegrenzt gültig
  • ohne Angabe eines sachlichen Grundes dürfen befristete Arbeitsverträge nur über einen Zeitraum von zwei Jahren abgeschlossen werden

Weitere Informationen rund um den befristeten Arbeitsvertrag findest du im Teilzeit- und Befristungsgesetz.

Wie lange muss man Arbeitsverträge aufbewahren?

Arbeitsverträge unterliegen nicht den „Ordnungsvorschriften für die Aufbewahrung von Unterlagen“ laut §147 AO.

Das bedeutet, dass du sie grundsätzlich nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses vernichten kannst.

Um auf Nummer Sicher zu gehen, empfehlen wir dir jedoch, den Arbeitsvertrag mitsamt der kompletten Personalakte mindestens drei Jahre lang aufzuheben. In dieser Zeit hat dein ehemaliger Mitarbeiter nämlich verschiedene Ansprüche, beispielsweise den Anspruch auf ein Arbeitszeugnis und auf Schadensersatz.

Wichtig: Die dreijährige Verjährungsfrist beginnt erst zum Ende des Jahres, in dem das Arbeitsverhältnis beendet wurde.

Darf ein potentieller Mitarbeiter den Arbeitsvertrag mit nach Hause nehmen?

Ja, es ist durchaus legitim, dass potentielle Mitarbeiter den Entwurf eines Arbeitsvertrags mit nach Hause nehmen und ihn sich dort in Ruhe durchlesen.

Wenn du als Arbeitgeber diese Möglichkeit verwehrst, sendet das unter Umständen die falschen Signale und baut unnötigen Druck auf dein Gegenüber auf.

Darf ein Arbeitsvertrag gegen das Gesetz verstoßen?

Nein. Sobald der Arbeitsvertrag gegen geltendes Recht verstößt, ist er ungültig.

Darf man einen Arbeitsvertrag nachträglich ändern?

Änderungen oder Neufassungen eines Arbeitsvertrages sind zulässig, solang beide Parteien damit einverstanden sind.

Eine einseitige Anpassung (beispielsweise der Urlaubstage oder des Gehalts) ohne Absprache ist also nicht erlaubt.

Darf im Arbeitsvertrag eine Vertragsstrafe geregelt werden?

Eine Vertragsstrafe bei Vertragsbruch ist durchaus üblich, muss aber auch nicht pauschal in jedem Arbeitsvertrag auftauchen.

Sinnvoll ist sie beispielsweise in Kombination mit einer Verschwiegenheitsklausel oder wenn dein (potentieller) Mitarbeiter umfassenden Zugriff auf Firmeneigentum (beispielsweise ein Betriebsfahrzeug etc.) hat.

Welche Kündigungsfrist gilt für den Arbeitsvertrag?

Die gesetzliche Kündigungsfrist ist detailliert im §622 BGB festgehalten. Sie ist abhängig von der Dauer des Beschäftigungsverhältnisses.

Beachte unbedingt: Bei den Angaben im BGB handelt es sich um Mindestzeiträume. Das bedeutet, dass im Arbeitsvertrag auch längere Fristen festgehalten werden können.

Die „kürzeste“ Frist besteht für Arbeitsverhältnisse, die nicht länger als zwei Jahre gedauert haben. Sie beträgt einen Monat zum Ende eines Kalendermonats. Bestand das Arbeitsverhältnis 20 Jahre lang, beträgt die Kündigungsfrist sieben Monate zum Ende eines Kalendermonats.

Einen wichtigen Sonderfall bildet die Probezeit. In dieser Phase kann das Arbeitsverhältnis auch innerhalb einer zweiwöchigen Frist beendet werden.

Übrigens: Kündigungsfristen gelten immer gleichermaßen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Das heißt: Beide Parteien müssen sich an identische Zeiträume halten, wenn sie das Arbeitsverhältnis beenden wollen.

Zusammenfassung

Der Arbeitsvertrag ist ein wichtiges Dokument für alle Gründer, die sich personelle Unterstützung ins Boot holen und Mitarbeiter einstellen wollen.

Der Vertrag mit seinen umfangreichen Inhalten bildet ein wichtiges Fundament und zeigt allen Beteiligten konkrete Rechte und Pflichten auf.

Auch wenn eine schriftliche Form nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, wird sie ausdrücklich empfohlen. Sollte es doch einmal zu Meinungsverschiedenheiten und/oder Auseinandersetzungen vor Gericht kommen, hast du damit buchstäblich immer etwas in der Hand.


Bitte teile den Beitrag, wenn er dir weitergeholfen hat:

Wir würden uns sehr freuen, wenn du diesen Artikel bewertest!

Durchschnittliche Bewertung 5 / 5. Anzahl der Stimmen: 1

Bisher keine Bewertungen! Sei der erste und hilf anderen.

Kommentare zum Artikel
Deine Meinung ist wichtig

Deine Meinung interessiert uns! Schreib uns gern einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.