Die Gründer von Tauschwohnung.com berichten von Ihren ersten Schritten im Gründen und wie sie aus Eigenbedarf zur Gründung von Tauschwohnung gekommen sind.
Hallo euch dreien, wie geht es euch, stellt euch bitte kurz vor.
Beate Ruuck, CEO von swap-me UG (hb), 29 Jahre alt. Im Jahr 2004 nach Hamburg und damit in die Metropole des Wohnungsmangels gezogen. 2007 habe ich Maurice bei Axel Springer kennen gelernt. Fabian kennen wir über Freunde von Freunden seit 2011, als wir auf der Suche nach einem weiteren Gründungsmitglied / Programmierer waren. Ich habe an der HAW Hamburg Medien und Information studiert und das Studium 2011 abgeschlossen. Ich war vor meinem Studium und während des Studiums selbstständig als Online Projekt Managerin und bin dies auch immer noch.
Hallo, mein Name ist Maurice Renck, ich bin 30 Jahre alt und seit 2006 selbstständiger Webentwickler. In den vergangenen Jahren habe ich für viele Unternehmen und Agenturen Webseiten und Webtools programmiert. Bei swap-me übernehme ich deshalb die Aufgabe des CTO.
Ich bin Fabian Donay, ein paar Jährchen jünger als die beiden, verdiene aber auch schon seit 8 Jahren mit Webentwicklung mein Geld, bin seit 5 Jahren selbständig und habe nebenbei noch Medien- und Kommunikationswissenschaft studiert. Ich halte die Position des CWO.
Wunderbar, nun klären wir für die Leser erst einmal unsere 7 Basics.
Wie und wann seid ihr zum Unternehmertum gekommen?
[Beate]
Mitte 2010 aus Eigenbedarf. Ich war vorher schon selbstständig. Die Möglichkeit an etwas Eigenem zu arbeiten motiviert einen sehr.
[Maurice]
Eigentlich waren wir ja alle schon irgendwie Unternehmer, denn wir waren ja alle schon selbstständig. Da war die Gründung eines eigenen Unternehmens eigentlich der nächste logische Schritt.
[Fabian]
Ich war noch nie besonders begeistert, nur stumpfer Dienstleister zu sein. Konsequent war da einfach irgendwann der Schritt in die Selbständigkeit und dann ein wirklich “eigenes” Projekt.
Gab es finanziellen Rückhalt von der Familie oder Bekannten/Verwandten – oder wie habt ihr alternativ das Problem der Finanzierung gelöst?

[Beate]
Wir haben alles aus eigener Tasche bezahlt. Zum Glück hatte die Bundesregierung ein paar Jahre zuvor die Unternehmensform der UG (hb) eingeführt. Die Gründung der UG hat uns nur um die 400 Euro gekostet, die wir durch die Gründer geteilt haben.
[Maurice]
Die Kosten für die Gründung unseres Unternehmens haben wir aus eigener Tasche bezahlt. Inzwischen zahlen wir die laufenden Kosten für Server etc. durch die Einnahmen eines Seitenproduktes unserer Firma.
[Fabian]
Das Gute ist ja, dass die Kosten für die Erstellung solch immaterielle Produkte wie Websites und auch die späteren Grenzkosten fast nur in Arbeitszeit festzumachen sind. Da wir noch kaum externe Unterstützung brauchen und noch keine Gehälter zahlen, können wir uns da arrangieren.
Habt ihr den Schritt zum Unternehmertum jemals bereut?
[Beate]
Nein. Manchmal zweifelte ich daran, ob die Zeit und Kraft es wert sind, aber auf der anderen Seite liebe ich es, für unsere eigene Firma zu arbeiten. Unser Herz hängt an unserer Idee und wir unsere Freunde, Familien, Arbeitskollegen unterstützen uns moralisch.
[Maurice]
Gerade zu Beginn muss man sehr viel Zeit und Arbeit investieren und bekommt noch wenig bis gar nichts raus, da können dann schon mal Zweifel aufkommen. Aber wir waren und sind alle von unserer Idee überzeugt, weshalb wir den Schritt nie bereut haben.
Was für Beweggründe hattet ihr und haben sie sich geändert?
[Beate]
Ich wollte Tauschwohnung.com gründen, weil ich selbst eine Wohnung haben wollte. Jetzt will ich anderen bei der Wohnungssuche helfen und ein tolles Produkt entwickeln.

[Maurice]
Beates Idee klang spannend und es zeigte sich, dass es keinen Dienstleister gab, der die Lücke “Wohnungstausch” wirklich befriedigend füllte. Sich auf ein eigenes Unternehmen einzulassen hieß auch, sich weiter zu entwickeln und eigene Ideen umsetzen zu können. So eine Möglichkeit ergibt sich nicht jedem, deshalb wollte ich sie ergreifen.
[Fabian]
Als ich hinzugestoßen bin, stand ja schon einiges und hat mich überzeugt. Ich bin selber letztes Jahr umgezogen, hatte eine Wohnung zu tauschen aber sowohl mit den Nachmietern als auch – natürlich – mit der Wohnungssuche meinen Ärger.
War euer Alter für euch eher eine Behinderung oder gar ein Pusheffekt?
[Beate]
Über mein Alter habe ich mir nie Gedanken gemacht. Ich denke, die Fähigkeiten und Erfahrungen, die man mitbringt, sind wichtiger als das Alter. Natürlich hat man mit 18 Jahren noch nicht die Berufserfahrung, die man mit 28 Jahren hat, aber auch wir, mit Ende 20, haben noch nicht viel Erfahrung. Wichtig ist, dass man kreativ bleibt.
[Maurice]
Weder noch.
Was würdet ihr als Vorteil und was als Nachteil eures Alters nennen?
[Beate]
Ich konnte mein Wissen aus dem Studium einbringen und viele Erfahrungen aus dem Berufsleben. Ich bin selbstbewusster als mit 18 oder 20 Jahren – wenn ich etwas will, fordere ich es ein und lass mich nicht abspeisen.
[Maurice]
Der Vorteil ist, dass man schon mit vielen Menschen zusammengearbeitet hat, zahlreiche Kontakte und ein gutes Netzwerk besitzt. Die berufliche Erfahrung und die Kontakte konnte ich so in die swap-me UG einbringen, das hat letztlich Zeit gespart und Fehler verhindert.
[Fabian]
Im Sinne vom Altsein oder Jungsein? Ich werde jedenfalls ständig auf meine grauen Strähnen angesprochen – das könnte eine Art Nachteil sein
Welche Tipps würdet ihr aus euren ganz persönlichen Erfahrungen jungen Gründern mit auf den Weg geben wollen?
[Beate]
Holt Euch Unterstützung von einem Unternehmensberater. Stellt sicher, dass die Fähigkeiten der Gründer divers sind (nicht alle Gründer können im Marketing arbeiten). Meine Erfahrung im Team zeigt, dass Maurice und Fabian begnadete, kreative Programmierer sind, die mich verstehen und wissen, in welche Richtung das Projekt gehen soll. Ich kümmere mich derweil um die Buchhaltung, das Marketing und so weiter. Eigenmotivation ist ein Muss und ein langer Atem auch.
Stellt Euch vor, Ihr müsstet Eure Mitgründer heiraten! Eine Gründung ist eine langfristige Angelegenheit – da muss man in guten und in schlechten Zeiten miteinander reden und arbeiten können.
[Maurice]
Sucht Euch Leute, mit denen Ihr menschlich gut zurecht kommt und denen Ihr vertraut und seid überzeugt von Eurer Idee, ist das nicht der Fall geht einem an schlechten Tagen sonst wohlmöglich der Atem aus. Wir konnten uns auch in schwierigen Situationen immer gegenseitig unter die Arme greifen.
[Fabian]
Ja – irgendwie eine gute Mischung aus menschlichem miteinander klar kommen und vernünftiger Arbeit ist gut, wenn man mit Menschen zusammen arbeiten will – und gerade wenn’s mal stressig wird und man nicht in irgendeiner Angestelltenhierarchie hängt können da schon Schwierigkeiten auftreten. Der derbste Hacker nützt nichts, wenn er ein Vollnerd ist und man sich persönlich nicht versteht. Nur mit besten Freunden zu arbeiten, denen man dann aber nicht offen sagen kann, wenn etwas schief läuft, weil sonst neben dem Projekt auch die Freundschaft scheitert, ist allerdings auch keine Lösung.
Vielen Dank bis hierher euch dreien, kommen wir nun zu eurer Innovation. Tauschwohnung – der Name eures Projektes sagt schon viel aus und wirft doch zahlreiche Fragen auf , an wen richtet es sich und wie funktioniert es?
[Beate]
Das Konzept des Wohnungstauschens gibt es seit den 60er Jahren. Personen, die Schwierigkeiten haben, über den herkömmlichen Weg eine Mietwohnung zu finden, können so ihre Wohnsituation anpassen. Konkrete Zielgruppen sind Studenten, Schüler, Arbeitssuchende, Familien, Musiker, Tierhalter, Alleinerziehende, Leute die in Hamburg, München oder Berlin wohnen wollen und ein begrenztes Budget haben. Willst Du Deine Mietwohnung tauschen, meldest Du Dich auf Tauschwohnung.com an und gibst eine kostenlose Wohnungsanzeige auf. Die Anzeige erscheint dann in den Suchergebnissen und interessierte Tauscher mit einer passenden Wohnung kann mit Dir Kontakt aufnehmen. Gefallen Euch Eure Wohnungen und Ihr wollt die Mietverträge tauschen, müsst Ihr Euch mit Eurem jeweiligen Vermieter in Verbindung setzen und die Übergabe und die Rahmenbedingungen organisieren.

Kamt ihr aus Eigenbedarf auf die Idee oder woher kam euch der Gedanke?
[Beate]
Aus Eigenbedarf. Ich war ich auf Wohnungssuche in Hamburg. Ich war Studentin und hatte eine winzige Ein-Zimmer Wohnung in einem beliebten Stadtteil. Auf Grund meines Studenten-Statuses war ich monatelang ohne Glück auf Wohnungssuche. Ich sah allerdings immer wieder Aushänge auf denen Stand “Tauschwohnung gesucht”. Wenn ich Kontakt zu den Personen aufnahm, kam es irgendwie nie zum Tausch und mich frustrierte, dass es keine vernünftige, leicht zu bedienende Webseite gab, auf der man Wohnungen tauschen konnte. Mein Freund sagte dann irgendwann: mach doch selbst eine Webseite. Gesagt, getan. Ich habe Maurice gefragt, was er von der Idee hält und bin auf offene Ohren gestoßen.
[Maurice]
Zum konkreten Zeitpunkt bestand kein Eigenbedarf meinerseits. Aber es langt schon die Wohnungssituation in Hamburg zu verfolgen, um zu sehen, dass es so nicht weiter gehen kann.
Aktuell, wie läuft es bei euch, wird das Konzept gut angenommen?
[Beate]
Wir bekommen von Nutzern oft das Feedback, dass die Idee sehr gut ist. Unsere Reichweite steigt langsam aber stetig. Facebook, Twitter und auch Mundpropaganda sorgen für immer mehr Benutzer, so dass wir derzeit noch keine Unsummen in Werbung investieren müssen.
[Maurice]
In den großen Städten, wie Hamburg, Berlin und München verzeichnen wir einen großen Anstieg an Wohnungsanzeigen. Hier ist der Wohnraum knapp und die Mieten sind hoch. Es zeigt sich, dass hier wirklich Bedarf besteht und unser Dienst deshalb auch gerne genutzt wird.

[Fabian]
Ich glaube auch – wir können uns nicht beschweren. Dafür dass das Ganze noch Beta mit eingeschränkten Funktionen ist und kaum wirkliche Werbung gemacht wird, ist der Anklang, den es findet gut. Und da uns die Stadt – so leid es mir auch für Wohnungssuchende tut – mit ihrer Wohnraumpolitik nur Unterstützung leistet, werden die potenziellen Interessenten sicherlich noch deutlich mehr.
Euer Service ist derzeit kostenfrei, wie plant ihr das Portal zu finanzieren?
[Maurice]
Es wird ein Abo-Modell geben. Die Suche und das Erstellen von Anzeigen wird weiterhin kostenlos bleiben, wer dann aber Kontakt aufnehmen will oder unsere Premiumdienste wie Benachrichtigungen nutzen möchte, muss ein Abo abschließen. Dabei halten wir die Zeiträume möglichst klein. Die Mindestlaufzeit beträgt einen Monat, die maximale Laufzeit drei Monate. Wir versuchen hier möglichst transparent und fair zu sein, deshalb werden Abos z.B. nicht automatisch
verlängert. Der Benutzer hat immer die Kontrolle über mögliche Kosten.
Gibt es rechtliche Probleme oder Grauzonen bei diesem Verfahren?
[Maurice]
Nein, die gibt es nicht. Man muss sich allerdings im Klaren sein, dass wir Kontakt zu Tauschern nur vermitteln, nicht garantieren können. Letztendlich bestimmt der Vermieter, wer die Wohnung bekommt. Wir arbeiten aber permanent daran, unseren Benutzern mehr Planungssicherheit bieten zu können und werden außerdem gezielt auf Vermieter zu gehen und diese über die Möglichkeit des Wohnungstausches aufklären, um so eventuelle Ängste und Sorgen zu mindern.
Momentan ist das Projekt in der Betaphase, für wann plant ihr den regulären Start des Projektes?
[Maurice]
Derzeit planen wir die Betaphase im Sommer zu beenden.
Dann bedanken wir uns bis hierher erst einmal für eure Zeit, ein wirklich innovatives Konzept dem wir nur die Daumen drücken und viel Erfolg wünschen können.
[Beate]
Danke
[Maurice]
Vielen Dank.
[Fabian]
Sehr gerne. Besten Dank für diese Plattform.
