Arbeit und Freizeit verbinden
Für wen eignet sich Work’n‘Treat, Sandra Kirschbaum?

Sandra Kirschbaum hat mit ihrem Mann Pierre ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und bietet bei Work’n‘Treat Arbeitsurlaub in einzigartigen Naturlandschaften an.

Für den nächsten Winter Coworking Event, der im Februar in einem Almhütten-Dorf stattfindet, gibt es gerade noch freie Plätze. Höchste Zeit, Sandra und ihr Startup bei Junge Gründer vorzustellen.


Hallo Sandra, schön, dass du Zeit für unser Interview gefunden hast. Bitte erkläre unseren Lesern zum Einstieg nochmal kurz, was sie bei Work’n‘Treat erwartet.

Hauptsächlich zwei Dinge: Aktivurlaub und Coworking. Wir fahren mit unseren Teilnehmern in Häuser, die manchmal mitten im Skigebiet, mitten im Wald, an einem wunderschönen See oder eben in Almwiesen gelegen sind. Dort leben und arbeiten wir für eine gewisse Urlaubszeit zusammen. Meistens eine Woche.

Neben spannendem Austausch, Brainstormings, Sparring Sessions und natürlich ruhiger Arbeitszeit für jeden selbst, gibt es ganz viel Gelegenheit, aktiv in der Natur zu sein, sich bei Yoga oder Meditation voll und ganz auf sich selbst zu konzentrieren und natürlich gibt es gesellige Abende mit gemeinsamen Kochen, einer gemütlichen Runde am Kamin oder einfach beim guten Buch. Wenn ich das so erzähle, merke ich wieder, wie sehr das unsere persönliche Handschrift trägt. Denn eigentlich bieten wir da genau das an, was wir woanders buchen würden, wenn wir es nicht selbst im Angebot hätten.

Im Februar fahren wir zum Beispiel nach Kärnten auf die Almhütten Moselebauer, mitten in einem verträumten Skigebiet. Dort haben wir eine gemütliche Hütte für uns, gehen Skifahren, Winterwandern und coworken hoffentlich draußen auf der Sonnenterrasse im Schnee!

Dass Arbeit und Privatleben immer weiter verschwimmen, wird häufig kritisiert. Wie steht ihr dazu?

Sandra Kirschbaum

Sandra Kirschbaum

Ersteinmal finden wir ganz persönlich es sehr positiv, dass Privatleben und Arbeit miteinander verschwimmen und mehr Freiheiten möglich werden. Warum nicht an einem schönen Ort arbeiten und in der Pause verschneite Berge genießen? Dieser Prozess der Work Life Blend ist eigentlich ja auch ganz natürlich, denn die Digitalisierung macht ja z. B. „remote“ Arbeiten möglich.

Wenn ich also mehr Freiheiten habe, zu bestimmen, wann und wo ich arbeite, habe ich natürlich auch mehr Verantwortung dafür, selbst diese beiden Bereiche gut unter einen Hut zu bringen. Und genau das ist wahrscheinlich der Knackpunkt, der auch kritisiert wird. Denn es herrscht vielfach das Gefühl, „immer“ erreichbar sein zu müssen. Hier ist Achtsamkeit ein ganz wichtiger Punkt. Selbständige aber auch Mitarbeiter, müssen sich selbst „Freiräume“ schaffen, auch mal „offline“ sein

Dennoch: eine Workation sollte nicht als Ersatz für Urlaub gesehen werden. Wir selbst sind zwar begeistert davon, an tollen Urlaubsorten zu arbeiten, aber auch wir nehmen uns Auszeiten, wirklich Urlaub, in dem wir einfach nur die Seele baumeln lassen. Sonst sind die Akkus viel schneller leer, als einem lieb ist!

Wie unterscheiden sich Zielgruppe und Inhalte bei Work’n’Treat von den Workation-Events anderer Anbieter?

Work’n’Treat ist ein Angebot für Menschen, die Lust haben auf Aktivsein, naturnahe, inspirierende Orte und natürlich darauf, neue Leute kennenzulernen und mit ihnen ihr Wissen zu teilen. Die Schwerpunkte der Workations liegen zwar immer anders, also mal auf Skifahren, mal auf Wandern, mal auf Kanutouren, sie haben aber immer etwas mit Erlebnis, Outdoor, Ruhe und Natur zu tun. Die Coworking Seite hängt dann mehr von den Teilnehmern ab.

Gibt es zum Beispiel mehr Anfragen durch Digitale Nomaden, die auch hauptsächlich für sich ihr Tagesgeschäft erledigen wollen, würde es wenig Sinn machen, dort etwa viele Sessions mit Austausch zu planen. Wir organisieren aber bewusst vermehrt Workations für Entrepreneure, die raus wollen aus dem Tagesgeschäft, um z. B. Strategien neu zu denken oder sich auch mit anderen Gründern über ihr Business Model austauschen wollen.

Wir schauen da also, dass wir immer mal unterschiedliche Schwerpunkte setzen, die Leute mit ihren Erwartungen aber schon in gewisser Weise zusammen passen.

Kann man sich bei euch auch anmelden, wenn man noch gar nicht gegründet hat? Oder wenn man schon bestens mit seinem Unternehmen etabliert ist und vielleicht bereits zu den älteren Semestern gehört? Was wird von den Teilnehmern erwartet?

Gründer und „alte Hasen“ passen doch gut zusammen! Ich besuchte selbst erst kürzlich ein Barcamp in Stuttgart (das Enjoy Work Camp), wo vom Studenten bis hin zu einer Unternehmerin, die sich kurz vor dem Ruhrstand befand, aber trotzdem noch neue Projekte anschieben wollte, alles vertreten war und der Austausch dort erschien mir wunderbar. Ich habe so viel mitgenommen!

Aber natürlich war für den Erfolg auch entscheidend, dass Menschen zusammen kamen, die Lust auf einen offenen Austausch hatten. Für die Workations heißt das übersetzt: Die Gruppe darf gerne heterogen sein, ein ähnliches Mindset sorgt aber für eine gute Gruppendynamik.

Was habt ihr bei eurem aktuellen Work’n’Snow Coworking geplant?

Oh, da freuen wir uns schon drauf. Wir haben ein paar ganz besondere Aktivitäten geplant, die die kalte Jahreszeit versüßen. Wir werden zum Beispiel abends mal eine Fackelwanderung unternehmen, uns mit einer selbst zubereiteten Feuerzangenbowle am Kamin aufwärmen und natürlich tagsüber die Pisten unsicher machen. Wir wohnen ja im Skigebiet. Und natürlich wird viel gearbeitet.

Jeder, der mag, kann sein Projekt z. B. für eine Sparring Session nominieren. Das heißt, das Projekt wird der Gruppe vorgestellt und die gibt dann Anregungen, Kritik, Ideen zur Weiterentwicklung usw. Das Thema kann eine neue Website sein, aber auch der eigene Karriereweg. Was auch immer unter den Nägeln brennt.

Zusätzlich können Teilnehmer Kurzseminare von Annika Wahl und mir im Bereich Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, PR, Social Media, Markenbildung und Positionierung am Markt in Anspruch nehmen.

Vielen Dank bis hier her, liebe Sandra. Nun nochmal zu dir persönlich. Du hast Work’n’Treat mit deinem Mann Pierre zusammen gegründet. Wie seid ihr auf die Idee gekommen und wie organisiert ihr euren Arbeitsalltag?

Wir reisen beide viel auf eigener Faust und wir waren verliebt in den Gedanken, selbstbestimmter von überall aus arbeiten zu können. Nachdem wir 2011 zusammen auf Weltreise gingen und allein in Neuseeland über vier Monate auf ca. 2 qm in einem Bus zusammengelebt haben, wussten wir, dass wir auch „enge“ Zeiten gut miteinander überstehen und es überwinden können, wenn wir uns gegenseitig auch mal auf den Geist gehen. Das gehört beim Zusammenarbeiten auch dazu.

Bei Work’n’Treat ist es aber so, dass Pierre „nur“ eingespannt ist, soweit es seine Promotion zulässt. So haben wir beide eben „unsere“ Bereiche und er springt beispielsweise ein, wenn es um Versicherungen, Steuern, rechtliche Fallstricke usw. geht. Er ist ziemlich gut darin, sich in solche Dinge hineinzufuchsen – ich allerdings überhaupt nicht. So ergänzen wir uns ganz gut und ich bin froh, dass er das macht, was er macht.

Welche Vorteile hat es aus deiner Sicht, mit dem eigenen Lebenspartner zu gründen? Hattet ihr keine Bedenken, dass das zu viel Nähe bedeutet oder Alltagskonflikte die Arbeit belasten könnten?

Die Vorteile sind ganz klar, dass wir genau wissen, wo unsere Stärken und Schwächen liegen und uns gut aufeinander verlassen können. Die Bedenken, wegen zu viel Nähe kamen so erstmal nicht auf, weil ja von Anfang an klar war, dass Pierre mich unterstützt, aber seine Hauptaufgabe die Doktorarbeit sein würde. Wenn wir in Zukunft so erfolgreich mit Work’n’Treat sind, dass wir beide voll einsteigen, wäre das natürlich toll.

Um dann Alltagskonflikte und Arbeit auseinander zu halten, ist es für beide wichtig, sich selbst zurücknehmen und gut reflektieren zu können. Ich bin da optimistisch, schließlich haben wir bereits gemeinsam Abi, Studium, Weltreise, Berufseinstieg und andere Höhen und Tiefen gemeistert.

Wie haben eure Freunde und Familienmitglieder auf die Gründung reagiert?

Unsere Freunde fanden die Idee alle auf Anhieb super und viele meinten gleich, sie würden selbst gerne mitreisen! Der Familie mussten wir erst einmal erklären, wozu das ganze überhaupt gut sein soll. Als unsere Eltern das „Produkt“ dann aber verstanden haben, fanden sie es gut. Sie hätten sich selbst eine Arbeitswelt gewünscht, in der diese Form der Freiheit möglich gewesen wäre!

Gab es eine besondere Herausforderung, die ihr überwinden musstet?

Eigentlich ist unsere größte Herausforderung eine, die noch andauert: nämlich das Projekt bekannt zu machen. Dazu gehört, Unternehmen zu erklären, welche Vorteile Arbeit in Form einer Workation bietet und eben nicht nur Startups, Blogger und Freelancer, sondern auch traditionelle Unternehmen von diesem Konzept zu überzeugen.

Welche Ratschläge kannst du nach deinen bisherigen Erfahrungen unseren Lesern mitgeben?

Kooperation und Kollaboration vor Konkurrenzdenken! – Macht euch lieber Gedanken darüber, für wen ihr etwas bedeuten könnt und wer für euch als Partner, Kollege, Kontakt wichtig wäre, als euch damit zu beschäftigen, wer eure Konkurrenz ist und wie ihr sie ausstechen könnt.

Ich bin überzeugt, dass uns das am Ende immer weiterbringt, als sich gegen alle Konkurrenz durchsetzen zu wollen. Es geht erstens schlicht und einfach nicht. Ich denke wir leben nicht umsonst in einer Zeit, in der die Sharing Economy wächst, Coworking Spaces immer gut besucht sind und trotzdem Freiheit groß geschrieben wird.

Vielen Dank für das Gespräch Sandra.

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