Selbstständigkeit als Autorin
Wie wird man erfolgreiche freiberufliche Autorin, Jessika Fichtel?

Jessika Fichtel hat sich nach ihrem Journalismus Studium als freiberufliche Autorin selbstständig gemacht und diesen Schritt bis heute nicht bereut.

Im Interview mit ihr erfährst du, wie die junge Erfurterin zu ihren ersten Aufträgen gekommen ist und wie Freiberufler ihren Stundensatz am besten festlegen können.


Hallo Jessika, schön, dass du dir Zeit für ein Interview mit uns nimmst. Stellst du dich bitte unseren Lesern vor?

Sehr gern. Mein Name ist Jessika Fichtel, ich bin 27 Jahre jung, studierte Journalistin und seit etwa zwei Jahren als freigeistige und freiberufliche Autorin unterwegs.

Ich habe es tatsächlich geschafft, vom Schreiben leben zu können – viele halten das ja immer noch für einen Mythos.

Direkt nach deinem Studium hast du dich als freiberufliche Autorin, Bloggerin und Texterin selbstständig gemacht.

Ist der Gedanke zur Selbstständigkeit bereits während deines Studiums gereift und welche Vor-, oder auch Nachteile siehst du aus eigener Erfahrung als freiberufliche Autorin gegenüber einer Festanstellung?

Ganz ehrlich? Bis zur Anmeldung meiner Freiberuflichkeit konnte ich es mir nie vorstellen, selbstständig zu sein.

Die Selbstständigkeit entstand in meinem Fall mehr oder weniger aus der Not heraus. Nach dem Studium gab es keinen passenden Job für mich, also habe ich mir selbst einen erschaffen. Doch auch wenn ich zur Freiberuflichkeit kam wie die Jungfrau Maria zum Kinde, habe ich diese Entscheidung bis heute nicht einmal bereut.

Es ist einfach das Größte, selbst entscheiden zu können, wie, womit, wann und wo man sein Geld verdient. Die Flexibilität und die Selbstbestimmung sind aus meiner Sicht die beiden größten Vorteile der Selbstständigkeit gegenüber einer Festanstellung.

Man gewöhnt sich da ziemlich schnell dran und aktuell wüsste ich auch nicht, wie ich reagieren würde, wenn mir jemand eine Festanstellung anbietet.

Jessika Fichtel

Jessika Fichtel

Für welche Arten von Texten kann man mit dir zusammenarbeiten?

Mein großes Steckenpferd sind Blogs – von der Konzeption und Themenrecherche über das Verfassen der Texte bis zur Nachkontrolle und dem Einpflegen im CMS.

Man kann mich aber auch für klassische Webseiten-Betextung, E-Books, Pressemitteilungen, journalistische Aufträge und Print-Geschichten engagieren. Werbetexten ist absolut nicht mein Ding!

Thematisch bewege ich mich vorwiegend in den Bereichen Karriere, Outdoor, digitaler Lifestyle, Mode und Nachhaltigkeit. Dank guter Recherchekenntnisse kann ich mich aber auch in andere Themen einarbeiten.

Hast du einen Tipp für angehende Texter, wie diese ihre Stundensätze am besten festlegen können? Wie bist du dabei vorgegangen?

Als allererstes sollte man sich überlegen, was einem die eigene Arbeit wert ist.

Viele Texter, aber auch andere Freiberufler und Freelancer sind sich dessen nämlich überhaupt nicht bewusst. Auch ich habe mich in der Anfangszeit ganz klar unter Wert verkauft, brauchte aber erst einmal einen Einstieg. Da fand ich es okay, auch tendenziell mies bezahlte Aufträge anzunehmen – allerdings immer mit dem Anspruch, mich stetig zu verbessern.

Weiterhin darf man beim Stundensatz niemals die Ausgaben für Steuern, Versicherung und (superwichtig in meinen Augen!) Altersvorsorge vergessen. Ein Stundensatz in Höhe von 20 Euro klingt für viele Angestellte ziemlich hoch, ist für Selbstständige jedoch ein Tropfen auf den heißen Stein.

Einen sehr guten und vor allem offenen Artikel zur Thematik „Stundensatz für Texter berechnen“ liefert meine Kollegin Lilli Koisser auf ihrem Blog.

Bei meiner Recherche ist mir auch dein eigener Blog über deine Selbstständigkeit aufgefallen. Über welche Kanäle generierst du deine Aufträge und welche Rolle spielt dein eigener Blog dabei?

Als ich die ersten paar halbwegs namhaften Kunden an Land gezogen hatte, machte ich mich und meine Arbeit in den sozialen Medien – konkret: Facebook, Twitter und Xing – sichtbar.

Erstaunlicherweise entwickelte sich meine Kundenakquise ab da zum Selbstläufer. Vor allem via Xing generiere ich viele spannende Aufträge. Mein Freelancer-Blog an sich spielt bei der Akquise eine eher untergeordnete Rolle.

Anders verhält es sich bei meinem Städteblog Feels like Erfurt. Was als Hobby begann, ist inzwischen ein echter Türöffner für mich. Der Blog hilft mir nicht nur beim Networking, sondern hat mir auch schon einige tolle regionale Kunden beschert, mit denen ich sehr gern zusammenarbeite.

Ich habe auch festgestellt, dass die gute alte Mundpropaganda als Akquise Kanal auf keinen Fall unterschätzt werden darf – sowohl regional als auch überregional.

Anschließend an die vorhergegangene Frage möchte ich nochmal nachhaken, wie es Texter am Anfang ihrer Selbstständigkeit schaffen können, in das Blickfeld potentieller Auftraggeber zu kommen?

Die weiter oben erwähnten miesen Anfangs-Jobs habe ich über die gängigen Texter-Jobbörsen an Land gezogen. Von denen kann jeder halten, was er will.

Ich weiß, dass sich viele Texter/innen „zu fein“ dafür sind, aber für mich waren sie nun einmal ein super Einstieg. Darum empfehle ich sie auch immer Textern, die am Anfang ihrer Karriere stehen und mich um Tipps bitten.

Jobportale sind okay – wenn man ständig den Anspruch hat, seinen Wortpreis beziehungsweise Stundensatz zu erhöhen und weg von diesem Akquise Kanal zu kommen. Mir haben, wie schon gesagt, die sozialen Medien sehr dabei geholfen.

Ich finde es wichtig, sich einen Namen zu machen. Personal Branding ist in diesem Zusammenhang ein extrem spannendes Thema, mit dem ich mich seit einer ganzen Weile beschäftige.

Was meiner Meinung nach außerdem nicht schaden kann, sind ein eigener Blog und Gastbeiträge auf anderen Seiten wie frau, frei&, Edition F oder Chapter One Mag.

Hast du aus deinen eigenen Erfahrungen einen oder mehrere Tipps, die du angehenden Selbstständigen mit auf den Weg geben möchtest?

Hört auf euer Bauchgefühl!

Meines hat bei einem Kunden mal richtig Alarm geschlagen und mir „geraten“, keine Zusammenarbeit einzugehen. Nun ist er insolvent und ich sitze auf offenen Rechnungen.

Ansonsten finde ich einen Spruch von Walt Disney ganz gut, den uns Judith Williams in der „Höhle der Löwen“ eingehämmert hat: If you can dream it, you can do it!

Genau deswegen wage ich mich gerade über die Grenzen der Freiberuflichkeit hinaus und tüftele an einem eigenen Produkt.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg Jessika.

Bild: Sandra Jähnert

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