Gastbeitrag von Christian Dasbach
So startest du dein Startup für unter 100 Euro

Viele Gründer haben den Wunsch, ihre Geschäftsidee direkt mit einer professionellen Infrastruktur am Markt zu etablieren. Sie überlegen dann, in welche Kanäle das, meistens geringe, Budget gesteckt werden sollte. Oftmals werden Entwickler gesucht oder gar spezielle Agenturen beauftragt um eine entsprechende Präsenz zu erstellen.

Darüber hinaus wird neue Hardware zum Drucken und Etikettieren angeschafft. Lagerräume und Büroräume werden gemietet und es wurde schließlich viel Geld ausgegeben, aber noch keines verdient.

Mit diesem Artikel möchte ich Wege aufzeigen, über die eine professionelle Infrastruktur mit wenig Kapital realisiert werden kann. Somit kann das zur Verfügung stehende Budget sinnvoller eingesetzt werden und in manchen Fällen eine Gründung überhaupt erst möglich machen.

1. Der Auftritt des Startups im Internet

Ein professioneller Internetauftritt ist für die meisten Startups nicht mehr wegzudenken. Dabei gehören Programmierkenntnisse meist nicht zum Repertoire eines angehenden Gründers.

Dennoch besteht die Möglichkeit, sich ganz ohne Programmierkenntnisse mit Diensten wie Weebly oder Jimdo eine professionelle und optisch ansprechende Online-Präsenz aufzubauen. Beide Anbieter lassen sich kostenfrei testen.

Für das Hosting (Domain, Email, etc.), die werbefreie Nutzung und viele hilfreiche Zusatzfunktionen erhebt Jimdo einen Jahresbeitrag von 60 Euro. Weebly ist günstiger, dafür mit englischsprachigem Support. Beide Anbieter stellen auch einen integrierten Online-Shop zur Verfügung.

Alternativ haben wir beim Webhosting Anbieter Host Europe sehr gute Erfahrungen gemacht. Besonders der Support dort ist hervorragend.

Aufwendigere Projekte wie z.B. eine Buchungsplattform für private Wohnungen, eine Gutscheinbörse oder ein Blog mit integrierten Videokursen, lassen sich mit WordPress realisieren. WordPress ist kostenfrei erhältlich, lässt sich bei fast jedem Domain Hoster per Knopfdruck installieren und bietet unzählige verschiedene „Templates“ für nahezu jedes Projekt.

Templates bestimmen das Aussehen und die Funktion der Webseite, wobei viele kostenfrei erhältlich sind. Die meisten interessanten kosten jedoch einmalig rund 40 Euro. Ein großer Anbieter dieser Templates ist Themeforest. Viele der großen und erfolgreichen Projekte wurden bereits mit WordPress realisiert.

Es erfordert jedoch ein wenig mehr Einarbeitung als oben genannte Tools. Bei Themeforest findest du auch unzählige Templates auf HTML/CSS Basis und jedes Template legt in der Beschreibung seine Spezifikationen und Fähigkeiten dar.

Wer doch ein paar mehr Anforderungen hat, als er selbst, mit seinen limitierten Skills erzeugen kann, sollte sich einmal bei Elance oder Upwork (ehemals Odesk) umschauen. Dort gibt es Webentwickler, Designer und allen weiteren Support, den ein Gründer brauchen könnte.

2. Das eigene Büro und die EDV

Ob ein eigenes Büro sinnvoll ist, muss natürlich jeder für sich selbst herausfinden. Fakt ist dennoch, dass viele Tätigkeiten direkt vom heimischen Schreibtisch aus erledigt werden können. Denn schließlich benötigen die meisten Gründer nur noch ihren Laptop.

Möchte man Kundengespräche führen und das in den eigenen Räumlichkeiten, so bieten viele Bürogemeinschaften ihre Besprechungsräume stundenweise zur Untermiete an. Auch ist es möglich, speziell dafür ausgerichtete Gebäude aufzusuchen, wo der Empfang besetzt ist und am Besprechungsraum kurzfristig das eigene Firmenschild angebracht wird.

Diese Varianten sind oftmals professioneller und trotzdem viel günstiger als das eigene Büro. Solche Angebote gibt es in so ziemlich jeder größeren Stadt.

Gerade der Produktversand bringt einige Hürden mit sich, sobald es ein paar Bestellungen mehr am Tag werden. Die Ware muss gelagert und verschickt werden. Dafür werden Verpackungsmaterial, Versandetiketten und ein ordentlicher Drucker benötigt.

Neben den Anschaffungs-/ und Lagerkosten, kostet der Versand der Artikel aber vor allem Zeit. Zeit, die besser in die Bewerbung oder Verbesserung des Angebotes gesteckt werden könnte. Warum nicht einen Fulfillment Dienstleister in Anspruch nehmen, der professioneller, schneller und einem sogar noch Kosten spart?

Solche Partner gibt es viele und die Preise sind sehr unterschiedlich. Durch die vielen Sendungen bekommen diese Anbieter von den Versandunternehmen deutlich günstigere Preise. Der Vergleich lohnt sich. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit MTK Logistik gemacht. Das kommt aber immer auf Produkt, Standort und einige andere Faktoren an.

3. Die Interaktion mit dem Kunden

E-Mail Marketing ist ein sehr effektives Werkzeug um die eigene Dienstleistung /das eigene Produkt zu vermarkten.

Mit Mailchimp lässt sich kostenfrei ein Formular erzeugen, das zur Nutzung auf der Website eingebunden werden kann. Hierdurch lassen sich bequem Newsletter-Listen aufbauen und verwalten. Gleichzeitig können auch E-Mail Kurse erstellt werden, die bei einer Neuanmeldung in zuvor festgelegten Intervallen an den Kunden versandt werden. Einmal eingerichtet, läuft alles von selbst.

Mailchimp ist ein wenig teuer als andere Angebote, bietet allerdings auch ein paar zusätzliche Services an. Je nach Bedarf, reichen möglicherweise auch günstigere Anbieter aus.

Anmeldungen für Dienstleistungen, Events oder Umfragen lassen sich kostenfrei und in wenigen Minuten mit Google Forms erstellen. Auch diese Formulare lassen sich in die eigene Webseite integrieren.

Egal ob von zu Hause, dem Café um die Ecke, im Büro oder im Co-Working Space gearbeitet wird, telefonisch erreichbar zu sein, ist für viele Kunden ein wichtiges Qualitätskriterium. Eine Handynummer wirkt von außen betrachtet in vielen Fällen klein und unseriös. Ganz zu schweigen von dem oftmals schlechten Empfang.

Statt sich jedoch fest irgendwo einzurichten, ist es möglich mit Diensten wie placetel eine kostenfreie örtliche Festnetznummer zu erhalten. Die eingehenden Anrufe werden via Voice Over IP mit dem Laptop und einem Headset angenommen. Eine Mailbox kann ebenfalls kostenfrei eingerichtet werden. Der große Vorteil hierbei ist die völlige Ortunabhängigkeit. Wer über einen UMTS Stick verfügt, kann die Anrufe auch am Strand entgegen nehmen.

Wer es später noch etwas professioneller möchte, kann auf Anbieter wie Ebuero zurückgreifen. Hier werden statt einer Mailbox Ansage, die Anrufe im Namen der eigenen Firma von professionellen Kundenberaterinnen angenommen und ggf. durchgestellt. Das Einsteigerpaket gibt es bereits ab 39 Euro im Monat.

4. Die interne Kommunikation

Zu einer professionellen Infrastruktur gehört auch die interne Kommunikation. Mit der heutigen Technologie ist es durchaus möglich, auch örtlich getrennt im Team zu arbeiten und sich zu organisieren.

Skype ermöglicht kostenfreie Videokonferenzen mit mehreren Teilnehmern. Es kann der eigene Bildschirm mit anderen geteilt werden, so dass ein Team an einem Rechner zusammen arbeiten kann.

Mit Google Docs lassen sich Tabellen, Dokumente und Präsentationen nicht nur miteinander teilen, sondern auch gleichzeitig bearbeiten. Aufgaben und To-Do Listen können zum Beispiel mit Wunderlist.de organisiert und geteilt werden. Eine Alternative hierzu stellt Evernote dar.

Mit DropBox können einzelne Ordner zur gemeinsamen Bearbeitung freigegeben werden. Dadurch wird eine zuvor zwingende Netzwerkverbindung zwischen den Rechnern nunmehr überflüssig.

5. Fazit

Viele Faktoren einer professionellen Infrastruktur können heute durch neue Möglichkeiten ersetzt werden. Es gibt eine Menge kostenloser und kostengünstiger Alternativen, die jungen Gründern einen leichten und trotzdem professionellen Einstieg ermöglichen.

Können Startups auf das eigene Büro vorerst verzichten, so ist ein Start mit einer professionellen Infrastruktur für unter 100 Euro durchaus realisierbar.

Ressourcen im Artikel

5 Kommentare

  1. Mehmed Saral
  2. Nele Lübberstedt

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